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Elvira hat mir in einem Kommentar eben eine Kolummne von Götz Aly bei der Berliner Zeitung gepostet. Dort bringt Aly die unterschiedlichsten Debatten der letzten Wochen und Monate wunderbar auf den Punkt. Unbedingt lesenswert.

Hier ein Auszug. Mit einem Klick geht zur ganzen Kolumne: Die Reaktionen „gliederten sich in zwei Gruppen: die bräsige Selbstverteidigung der medialen Vorteilnehmer und die Behauptung der anderen, sie gehörten zu den ewig Benachteiligten. (…) Beide Reaktionen sind Ausdruck einer kranken Gesellschaft, in der einzelne Gruppen ihre Besitzstände mit allen Mitteln verteidigen und einander scheelsüchtig belauern. (…) Wie wäre es, wenn wir die Reste ständischer Vor- und Sonderrechte endlich abstreiften, uns auf bürgerliche Tugenden besännen, die Interessen anderer respektierten, eigene Interessen zugunsten eines entspannten, womöglich heiteren Zusammenlebens gelegentlich zurückstellten und einfach weniger krakelten: „Haben-haben! Ich-ich-ich!“

Und etwas zum Schmunzeln zum Wochenende habe ich hier gefunden: Sex auf der Bank

Die Posts zu den Themen hier im Blog: Bigotte WulffdebatteRadikale RaucherhatzVeganer Kampf gegen Werbespot

Ich wünsche allerseits ein schönes Wochenende

Liebe Blogbesucher, ich weiß, dass ihr dies hier wahrscheinlich sehr unterschiedlich bewertet. Ich poste es aber, nicht, weil ich selbst abends gerne rauche, sondern weil mir die um sich greifende Regulierungswut gewaltig auf den Keks geht. Nein, nicht nur auf den Keks. Ich mache mir tatsächlich Sorgen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Die Anti-Raucher-Hatz ist nur ein Beispiel.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens scheint einen persönlichen Krieg gegen Raucher zu führen – warum auch immer. Aber ihre persönlichen Befindlichkeiten gehen mich nichts an. Ich möchte einfach nicht in einem Staat leben, der alles für seine Bürger regelt und reguliert. Das entspricht nicht meinem Verständnis von Freiheit und Demokratie.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es gut und richtig, dass in Restaurants nicht geraucht wird. Ich finde es auch gut, dass es inzwsichen viele rauchfreie Veranstaltungen gibt. Das war früher anders. In den 80er Jahren – als ich Kind war – kamen Verwandte zu uns in die Küche, haben sich dort ihre Rauchwaren angesteckt und gingen selbstverständlich davon aus, dass ihnen meine Mutter einen Aschenbecher hinstellte, was sie auch tat – obwohl in unserer Familie niemand rauchte. Das war nicht okay.

Diese Antiraucherhatz, die Frau Steffens betreibt, kippt meiner Meinung nach aber in die andere Richtung und ist ebenfalls nicht okay. Man kann inzwischen schon von Raucherdiskriminierung sprechen. Nicht nur, dass Gastronomen gegängelt und in ihrer unternehmerischen Freiheit beschnitten werden, jetzt sollen noch die letzten Räume für Raucher geschlossen werden.

Was ist eigentlich das Ziel, das Rauchen noch weiter zu verbannen oder soll ich gleich sagen, das Rauchen zu verbieten, ähnlich wie harte Drogen? Da ist doch Maß und Ziel verloren gegangen, finde ich.

Und dann hat diese Verbotskultur ja noch andere Auswirkungen – sowohl auf unser Zusammenleben als auch auf unseren Geruchssinn. Ich hatte hierzu letztens ein Erlebnis der anderen Art:

Ich war auf einer Karnevalsveranstaltung, auf der nicht geraucht werden durfte. So weit so gut. So bekam ich mehr frische Luft als die Nichtraucher, weil ich ja immer wieder mal raus vor die Tür ging. Draußen standen immer so an die 20 Raucher. Selbst wenn die sich in Zimmerlautstärke unterhalten, ist es für die Nachbarn eine erhebliche Lärmbelästigung. Schließlich waren wir in der Severinstraße, einer engen Innenstadtstraße. Mir taten die Nachbarn leid. Denn auch das ist eine Folge des Rauchverbots in den Kneipen, dass die Nacht eben lauter wird.

Die zweite Erkenntnis dieses Abends: Auch ich finde es fies, wenn meine Klamotten nach kaltem Rauch stinken. Ohne Frage. Nach diesem besagten Abend aber hätte ich mir gewünscht, ich würde wenigstens nur nach kaltem Rauch stinken. Da es eine Karnevalsparty war, war der Raum deutlich voller, als ein Restaurant oder eine gewöhnliche Kneipe. Mangels Zigarettenrauch eroberten die anderen Duftnoten Haut und Haar. Und so stieg zuhause eine Mischung aus Schweiß und anderen Körperausdünstungen unterschiedlichster fremder Menschen kombiniert mit dem Gestank nach altem Fett von den Frikadellen und Schnitzeln, die dort gereicht wurden, in meine Nase. Bäh… war das ekelig.

Buchtipp: Juli Zeh beschreibt in ihrem Roman Corpus Delicti eine Gesellschaft, in der Gesundheit oberste Bürgerpflicht ist - Brave New World lässt grüßen.

Hier geht es zur Onlinepetetion gegen ein neues Nichtraucherschutzgesetz in NRW. Ich hab’ unterschrieben.

Ich war heute leicht irritiert, als ich las, dass die Bundestagsabgeordneten der Linkspartei vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Haben die nix Besseres zu tun? War mein erster Gedanke.

Ich bin wahrlich kein Fan von Gysi, Wagenknecht und Co. – aber vom Verfassungsschutz beobachten. Das halte ich dann doch für übertrieben. Dann müsste der Verfassungsschutz auch in so manchen Teilen der CSU aktiv sein … aber so schlimm sind die auch wieder nicht. Und schließlich kostet das alles unser Steuergeld:

„Manchem stößt schließlich sauer auf, dass in dem Kölner Amt sieben Mitarbeiter mit der Linkspartei befasst sind, wobei jährliche Kosten von 390 000 Euro anfallen, mit der rechtsradikalen NPD hingegen bloß zehn Mitarbeiter, was 590 000 Euro per anno verschlingt.“ Quelle: KStA von heute, S. 2)

Ich will nicht in die Reflexe eines Rechts-Links-Denkens verfallen. Denn vielleicht sind die Gründe viel profaner als Verschwörungstheoretiker meinen. Die Leute tun dort einfach das, was sie seit 20, 30 oder gar 40 Jahren tun. Deswegen sind sie rechtsherum mehr als ineffizient und linksherum beobachten sie Leute aus nackter Gewohntheit. Warum? Das weiß die Behörde allein.

Zwei Seiten später stand ein – wie ich finde – guter Kommentar. Den habe ich nicht online gefunden, aber weil die Berliner Zeitung ja im gleichen Verlagshaus entsteht, habe ich ihn dort gefunden.

Ich danke unterwegszuhause, denn dort habe ich das folgende Video gesehen, das ich gerne weiter verbreite und mit euch teilen möchte.

Heike Makatsch und Jan-Josef Liefers unterhalten sich über die Finanzmarkttransaktionssteuer – uff – Was ein Wort. Absolut sehenswert:

Alles hat seine zwei Seiten. In Köln regnet es seit mindestens zwei Tagen Bindfäden. Und das hatte gestern einen Vorteil: Es waren weniger Menschen als sonst in der Innenstadt unterwegs.

mayarosa hatte gestern nach einer gefühlten Ewigkeit die Gelegenheit, ohne den Druck schnell unbdingt dies oder jenes für jenen Anlass dringend besorgen zu müssen, mal nach Dingen für sich zu schauen; dabei eine lose Liste von „Pflichten“, aber keine dringenden. Mir fallen nämlich langsam die Klamotten auseinander. Höchste Zeit für Neues.

Und was soll ich sagen. Schuhe gab’s keine. Tasche auch nicht. Aber immerhin mehrere Oberteile. Hausundhirsch haben ja schon meine Frühlingssehnsucht bemerkt. Sie machte sich auch in den Neuerwerbungen bemerkbar: Orange und Gelb waren die dominierenden Farben meiner Ausbeute, hauptsächlich Basics, also Shirts mit langen bzw. kurzen Armen und einen Pulli. Winterteile gab es nur eines, eine Mütze (auch im Bild). Und eigens für misspassiflora, hier mein Schmuckstück:

Eine Provokation in Pink-Orange. Pink alleine kann ich ja nicht ab. Aber in Kombinantion mit Orange hab’ ich mich in das Teil verguckt.

Und dann ist mir gestern noch etwas aufgefallen – beim Versuch, Bilder von mir vor dem Spiegel zu machen:

Auf den Spiegelbildern sehe ich anders aus als auf denen, bei denen ich mir die Kamera einfach draufhalte. Aus meiner Sicht entsprechen mir die Spiegelbilder mehr und gefallen mir auch besser, vielleicht weil ich mich mehr wiedererkenne. Dabei sehen mich die anderen wahrscheinlich eher, wie auf den anderen Fotos, bei denen ich die Kamera einfach auf mich gehalten habe. Offenbar sehen wir für uns selbst anders aus, als für die anderen.

Wir kennen das ja von unserer Stimme. Die klingt für andere Menschen auch anders als für uns selbst. Weil wir sie gleichzeitig von innen und außen hören, während unser Gegenüber nur den Part von außen hört.

Urheberrecht und Zensur

Die Schlagzeilen der vergangenen Woche stimmen mich nachdenklich – ja, vielleicht mache ich mir sogar Sorgen. Ob es um diesen unsäglichen SOPA-Act in den USA geht oder um die Schließung von mega-upload in Neuseeland.

Was mich bekümmert, sind nicht die Handlungen an sich. Schon immer gab und gibt es Lobbygruppen aller erdenklichen Denkrichtungen, die die Welt in ihrem Sinne beeinflussen wollen. Das ist der Preis eines freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaats. Und wenn er funktioniert, gibt es gegenläufige Tendenzen. Wenn er funktioniert, gibt es eine gemeinsame Grundordnung, auf der man sich bewegt und innerhalb der man seine Interessen durchzusetzen versucht. In der Summe kippt die Waage mal leicht in die eine, mal leicht in die andere Richtung.

Was mich bekümmert ist, dass beim Thema Urheberrecht vs. Internetzensur ein Schwarzweißdenken dominiert. Eine Trennung in Gut und Böse wie in einem billigen Hollywood-Blockbuster. Gefangen in den Grabenkämpfen ist eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema  aber schwer. Denn wer nicht eindeutig auf der einen Seite steht, muss auf der anderen Seite stehen und bekämpft werden.

Es ginge um den Schutz des Urheberrechts sagen die einen. Es geht um Zensur und Beschneidung unserer Freiheit schreien die anderen. Dabei ist die Sache meines Erachtens so einfach nicht:

Klar ist, dass in Deutschland wie in vermutlich vielen anderen Ländern auch, die Urheberrechtsgesetze der technischen Entwicklung hinterherhinken. Die einen nutzen das für zweifelhafte Geschäftsmodelle, indem sie Geld verdienen mit illegal erworbenen Produkten. Andere nutzen es, um Abhängigkeiten zu schaffen oder ihre Gewinnspannen zu sichern. Wieder andere, wollen Harmloses kriminialisieren. Oder rechtfertigen Kriminielles als harmlos. Alles nicht im Sinne der Erfinders.

Das Urheberrecht (in Deutschland) bzw. Copyright (in angloamerikanischen Ländern – hier USA) dient zunächst mal dem Schutz geistigen Eigentums. Die genauen Regeln sind, wie die Gesetze national. Eine internationale Harmonisierung wäre in Bezug auf das Internet sicher von Vorteil.

Es ist eine Mär, dass die Gegner bestehender Urheberrechte bzw. Copyright-Regelungen nur die „großen bösen“ der Unterhaltungsindustrie bekämpfen. Hinter jedem Werk steht ein Mensch, der es geschaffen hat. Und die überwiegende Mehrheit der Urheber, deren Rechte verletzt werden, sind freie Autoren, Journalisten, Fotografen, Musiker, Schriftsteller, Zeichner, Seminarleiter und viele andere kleine Einzelunternehmer, die ihre Seele, ihre Kreativität und viel Zeit und Mühe investieren, etwas schaffen und versuchen, davon (oft mehr schlecht als recht) zu leben. Denn auch ohne den Klau über Copy&Paste haben sie oft einen schweren Stand. Was für gewerkschaftlich organisierte Branchen selbstvertändliche Rechte sind, klingt für viele der hauptberuflich Kreativen wie aus einer anderen Welt. So jedenfalls hier in Deutschland.

Sie haben es oft mit übermächtigen Auftraggebern zu tun. Egal, ob sie DumontSchauberg, Zeitverlag, WDR oder RTL heißen. Häufig zwingen sie den Urhebern Verträge auf, die sie mit einer Einmalzahlung abspeisen und bei denen sie jegliche Verwertungen abtreten müssen. Die Machtverhältnisse sind oft so, dass die Urheber wenig ausrichten können. Nur ein starkes Urheberrecht kann sie vor weiterer Entmachtung und einem Totalausverkauf schützen.

Hier habe ich eine Seite gefunden, die viel zum Urheberrecht in Deutschland erklärt und ein paar Beispiele aus dem Bereich der Seminarwelt zeigt, wo es missbraucht wurde.

Es ist eine Mär, dass ich für die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken immer Geld bezahlen muss. Aber man braucht immer die Einwilligung des Urhebers, der nach eigenem Ermessen Nutzungsrechte seiner Werke vergeben kann. Diese kann er auch verschenken oder gegen einen Link oder Namensnennung weitergeben. Ganz wie es der Urheber/die Urheberin mag. Nach meiner Erfahrung vergeben viele der oben genannten Leute großzügig Nutzungsrechte gegen Links/Namensnennung, wenn es um private oder soziale Nutzungen geht. Sie reagieren aber empfindlich, wenn sie ein unerlaubte Nutzung feststellen.

Diesen Text zum Beispiel: Wenn mich jemand fragt, ob er ihn auf seine Seite stellen dürfte, dann würde ich mir die Seite angucken und wenn ansonsten nichts dagegen spricht und es sich um eine private Seite handelt, würde ich gegen eine Namensnennung und Verlinkung auf meine Seite eine Nutzung erlauben, ob den ganzen Text oder Ausschnitte, müsste ich mir dann im Einzelfall überlegen.

Unzweifelhaft gibt es Beispiele, wo das Pochen auf Urheberrechte bizarre bis absurde Züge zählt. Als Beispiel fallen mir PapaKlum ein, der Blogger schon wegen der Nennung des Namens seiner Tochter verklagt, und der Württembergischen Fußballverband, der Hartplatzhelden verklagte, weil sie Leuten die Möglichkeit gaben Filmchen von Amateurspielen auf ein Portal hochzuladen. Am Ende hat die Vernunft gesiegt: Hartplatzheldenurteil-Bundesgerichtshof; wie es bei PapaKlum ausging, weiß ich nicht.

Unzweifelhaft gibt es bei den aktuellen Ereignissen Versuche, die Anpassung der internationalen Urheberrechtsgesetze dazu zu missbrauchen, die eigene Macht auszubauen und sich vor unliebsamen Konkurrenten oder Widersachern zu schützen. Und unzweifelhaft müssen wir aufpassen, dass uns hier unter dem Vorwand, das Urheberrecht schützen zu wollen, nicht Zensur und das genaue Gegenteil ins Gesetz geschrieben wird.

Aber gerade deswegen macht mir das Ganze ja so Sorgen. Denn wer sein Weltbild in Freund und Feind definiert, ist nicht mehr in der Lage zu einer sachlichen Auseinandersetzung und zu einem Kompromiss im Dienste der Sache. Die Sache ist für mich ein freiheitlicher, demokratischer Rechtsstaat, der auch das geistige Eigentum seiner Bürger schützt und ihnen Meinungsfreiheit, unternehmerische Freiheit und überhaupt viel Freiheit gewährt – immer auf Basis der Allgemeinen Menschenrechte.

Das ist jetzt heute ein sehr ernstes Thema. Aber eines, das mir wirklich am Herzen liegt.

Zum Wochenende: Die Liebe

„Man sagt, die Liebe öffnet eine Tür von einem Herzen zum andern;
Doch wo es keine Mauer gibt, wo soll dann eine Türe sein?“
Rumi, Das Lied der Liebe

Dazu fällt  mir noch eine Textzeile aus dem Lied zum Bild ein: „… im Zweifel hab’ ich immer ‘nen Zweitschlüssel dabei.“

Kleines Rätsel: Wer weiß zu welchem Lied von welcher Band die Textzeile gehört?

„In Deutschland fällt es uns schwer, einer schönen Frau Kompetenz zuzusprechen. Wir leben in einer männlichen Welt. Und für Männer wäre es sehr bedrohlich, wenn eine Frau beides wäre: schön und fähig.“
Dr. Ada Borkenhagen, heute im Interview im Magazin des KStA

Ist an dem Zitat was dran?
Ist das völlig überholt?
Nur ein blödes Vorurteil?
Und wie wichtig ist uns die Schönheit geworden?
Ist „schön“ sein und „jung wirken“ für die Partnersuche heute wichtiger?

Schließlich gaukeln uns öffentliche Bilder dank Photoshop unnatürliche Perfektion und ewige Jugend vor. Das setzt unter Druck. Und die scheinbare Lösung wird gleich mitverkauft: angefangen von jeglichen Wellnessbehandlungen, Kosmetik über Botox bis zur plastischen Chirurgie. Gleichzeitig bewegen wir uns mehr virtuell und haben die Möglichkeit auch ohne OP, dafür mit Photoshop und Schwestern unserer Schönheit nachzuhelfen. Und wie ist das für Männer? Sind sie auch unter Druck, schön sein zu müssen?

Das Interview selbst ist (noch) nicht online. Ich habe aber nach der Dame gegoogelt und folgende Links gefunden: Eine Sammlung von Tagungsberichten zum Thema „Schön oder hässlich“ am Zentrum für Frauen- und Geschlechterforuschung und eine Buchbesprechung im Deutschlandradio „Die Ambivalenz der Designer-Vagina“.

Sonntags im Agnesviertel

Ich habe den Sonnenschein heute für einen kleinen Spaziergang im Veedel genutzt:

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Musik dazu von Laura Gibson

Das Bild mit dem Eingang und den vielen Menschen ist der neue Lentpark zum Schwimmen und Schlittschuhlaufen. Das alte Eis- und Schwimmstadion wurde hierfür abgerissen. Die Eishalle war kurz nach dem Einsturz in Bad Reichenhall geschlossen worden, weil es eine vergleichbare Konstruktion war.

Und jetzt, seit die Schlittschuhläufer um die Schwimmer herumlaufen können, jetzt kriegt die mayarosa noch nicht mal mehr Samstagmittag einen Parkplatz, wenn alle Nachbarn unterwegs sind, um Großeinkäufe zu machen. Auch abends ist die Parkplatznot spürbar schlimmer geworden.

„Du fragst nach einer Rose – lauf vor den Dornen nicht davon. Du fragst nach dem Geliebten – lauf vor dir selbst nicht davon.“
Rumi, Das Lied der Liebe

 

Ich hatte vor einiger Zeit schon mal geschrieben, dass mir diese ganze Wu(l)ff-Debatte ziemlich missfällt, nicht weil ich Wulff mag – mag ich nicht – hätte lieber Gauck gehabt. Und auch nicht, weil ich Vorteilsnahme, Klüngelei oder Amigos schonen oder verteidigen will – will ich nicht.

Mich nervt es, weil es so furchtbar bigott ist. Auch die Journalisten, die sich wie Kampfhunde in Wu(l)ffs Wade festbeißen, profitieren – nicht nur von einflussreichen Freunden, die der eine oder andere Wichtigwichtig-Journalist bei Springer, Spiegel und Co. mit Sicherheit hat. Selbst die einfachen Fußvolkjournalisten proftieren, weil sie von den Unternehmen als Multiplikatoren gesehen werden: Zum Beispiel hatte Air Berlin, so lange bis das Unternehmen hart an der Pleite vorbeischrammte, einen tollen Journalistentarif. Außerhalb der Ferienzeiten zahlten Journalisten über viele Jahre für Privatreisen nur 50 Prozent und das für zwei Personen. Natürlich habe ich das auch gerne genutzt. Und natürlich glaubte ich, sollte ich mal über Air Berlin berichten (was  nie der Fall war), ich sei dennoch unabhängig. Wäre ich vielleicht auch gewesen. Denn in einen Menschen hineinsehen kann man von außen so schlecht. Und manche Dinge weiß man auch über sich selbst erst, wenn man sie durchgestanden und erlebt hat.

Das Springer-Flagschiff „BILD“ taugt nicht als Moralkeule gegen den Karriereling „Wulff“ – Da kann man ja gleich den Bock zum Gärtner machen. Was uns hier vorgeführt wird ist ein Volksschauspiel zur allgemeinen Aufregung und Beschäftigung der Bürger. Zwei mächtige Männer streiten. Einer will den anderen mit allen Mitteln vom Thron stürzen, an den sich der andere mit aller Macht klammert. Offiziell geht es um Integrität, Moral und Pressefreiheit. Offiziell. Um ein Aufregerthema zu haben. Was wirklich dahinter steckt (wer z.B. wessen Frau, Geliebte, Tochter angebaggert hat oder ob es schlicht um Quoten- und Auflagenaussichten des Aufregerthemas ging), werden wir vermutlich nie erfahren.

Joachim Frank geht der Bigotterie heute im Kölner Stadtanzeiger nach und schreibt „nichts macht die Doppelmoral so deutlich wie die Antwort von ZDF-Interviewerin Bettina Schausten auf Wulffs Frage, ob sie denn für die Logis bei Freunden bezahle. Aus ihrem ‘Ja’ machte Schausten zwei Tage später ein ‘natürlich nicht’.“

Ich wünschte mir mehr Sachlichkeit und eine Debatte über die wirklich wichtigen Dinge,  zum Beispiel darüber, wie wir Transparenz leben und eine Intimsphäre schützen können. Was sind die Maßstäbe, an denen sich Politiker, Journalisten, aber auch ganz normale Bürger messen lassen müssen? In welcher Welt wollen wir leben? Und wie kann jeder bei sich selbst anfangen?

Hach, wie können wir uns doch aufregen. Was sind das für Menschen, die wegen eines harmlosen Werbespots übereinander herfallen?
Stein des Anstoßes: Dirk Nowitzki und eine Werbespot für eine Bank, in dem er in seiner unterfränkischen Heimat von der drallen Dorfmetzgerin eine Scheibe Fleischwurst bekommt, als Erinnerung an die Kindheit, in der es die Scheibe immer mit den Worten gab, damit er groß und stark werde.

Und das hat jetzt nicht etwa die Gesundheitsapostel auf den Plan gerufen, die Angst haben, Menschen könnten alle so stark und rund werden wollen, wie die Verkäuferinnen hinter der Wursttheke in dem Spot. Nein, radikale Vegetarier und Veganer sind auf die Barrikaden und beschimpfen die Bank und Wurst-/Fleischesser im Allgemeinen. Die schießen zurück.

Laut taz ging es hin bis zu Hitler- und Goebbels-Vergleichen. Der Stadtanzeiger zitiert einen philosphisch-religiösen Eintrag:  „Die Zeit wird kommen, da die Menschen die Tiermörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschenmörder“ – ist klar jetzt. Kopfschüttel. Und eine Entgegnung: „Ihr seid es, die meinem Essen das Essen wegnehmen … Pflanzenmörder.“ Spätestens hier musste ich laut loslachen.

Wer’s gucken will, hier:

Beim Nachdenken darüber hat das aber auch einen ernsten Hintergrund:

Die einzige, die sich richtig freut, ist die werbende Bank. So ist ihr Name in aller Munde.

Und es zeigt, wie intolerant Teile unserer Gesellschaft doch geworden sind. Ich weiß, es gibt viele viele tolerante Menschen. Und doch ist der intolerante Teil, der die Welt nach seinem Sinn regulieren will, und bestrafen, wer zuwider handelt, sehr sehr laut. Das bekümmert mich.

Und noch meine kleine persönliche Meinung zum Essen:
Der Mensch ist biologisch als Allesfresser entwickelt, so wie Katzen Fleischfresser sind und Elefanten Plfanzenfresser. Das ist völlig in Ordnung. Wer kein Fleisch mag, soll es bleiben lassen. Wer es mag, soll es essen. Wer sagt uns eigentlich, dass eine Pflanze nicht leidet, wenn wir ihr Leben beenden? Der Mensch muss, wie jedes andere Lebewesen auch, essen, was gelebt hat. Steine sind einfach schwer verdaulich. Dabei wäre es gut, darauf zu achten, nur so viel zu zerstören/töten, wie nötig ist, um selbst zu überleben. Das gilt für Pflanzen- und Fleischfresser.

Die Tomaten und Auberginen in Almeria sind bestimmt nicht glücklicher als die Schweine in Niedersachsen.

Das Fleisch in mayarosas Haushalt kommt meist aus biologischem Anbau, weil dort die Tiere – so hoffe ich wenigstens – mit mehr Würde leben durften. Bei uns gibt es also wenig, dafür hochwertiges Fleisch und hochwertigen Fisch (auch hier habe ich angefangen, auf Label, wie nachhaltiger Fischfang zu achten). Obst und Gemüse kauen wir häufig regional.

Mein Fehler: Ich mag weder Knochen am Fleisch noch Fett. Bin der Filet-Typ und damit jemand, der dazu beiträgt, dass Hühner kaum noch stehen können, so dicke Brüste werden ihnen gezüchtet, egal ob Bio oder  nicht. Deswegen kaufe ich Huhn nur noch ganz selten. Unsere Wurst, gestehe ich ehrlich, kaufe ich nicht nach Bio, sondern nach Geschmack. Ich habe nämlich – wie Nowitzki – eine fränkische Heimat. Und das können sie die Franken: Verdammt leckere Wurst machen. Da bin ich von klein auf verwöhnt.

Bei den Nektarinen kommen schon langsam die Knospen, deswegen – die Zeitung erinnerte ich micht heute daran – musste ich meinem Bäumchen helfen, Kraft zu sammeln gegen die blöden Pilze, die Kräuselkrankheit verursachen. Und was sehe ich im Balkonkasten:

Aber es ist ja nicht so, dass die Krokusse das Einzige wären, was blüht. Meine Löwenmäulchen halten schon seit dem Sommer tapfer durch:

Mit diesem Blumengruß wünsche ich mir ein bisschen Sonne und ein bisschen Vorfrühling herbei…

Mit ganz besonderen Grüßen an A.

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