Da äußern Künstler und Kreative ihre Meinung und sie werden dafür bedroht. Nicht im Iran, nicht in China, nicht in Saudi-Arabien oder Nordkorea. Nein, hier in Deutschland.
Thema Urheberrecht.
Viele Kreative verfolgen mit Unbehagen die Diskussion um das Urheberrecht und einige haben eine Erklärung dazu formuliert, die man unterschreiben kann. Hier ein Zitat aus dem Aufruf: “Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.“
Aus der Gruppe Anonymous haben sich einige hinreißen lassen, persönliche Daten der Unterzeichner zu veröffentlichen und ihnen zu drohen, dass dies nur der Anfang sei und dass jeder ‘gedoxt’ (gemobbt) werde, der hier unterschreibt.
Die Verfasser des Aufrufs warnen sogar auf ihrer Seite: “Achtung: Wir werden bedroht! Kriminelle, die das Urheberrecht bekämpfen, kündigen an, von jedem der Unterzeichner die Postanschrift (oder denic-Adresse) zu beschaffen und ins Netz zu stellen, wenn wir unsere Unterschriftenliste nicht schließen. Bitte sehen Sie von einer Unterschrift ab, wenn Ihnen darum bang ist. Natürlich geben wir keinerlei Adressen weiter.”
Geht’s noch?!
Jetzt erst recht. Ich habe soeben bei “Wir-sind-die-Urheber” unterzeichnet. Und ich wünsche mir, dass es mir viele, die hier mein Blog besuchen, nachtun.
Eine lebendige Kunst- und Kulturszene schützt man sicher nicht dadurch, indem man sie bedroht. Jetzt erst recht unterschreiben!
Wir können dafür streiten, dass youtube, facebook und Co. für die Legalisierung der Kreativinhalte zuständig sind und für deren Nutzung zahlen, so dass die Nutzer ihre Lieblingsmusik legal teilen können. Schließlich verdienen sich Zuckerberg und Co. eine goldene Nase damit. Warum sollen die Erzeuger leer ausgehen?
Wir können dafür streiten, dass Buy-Out-Verträge als unzulässig gelten und so die Kreativen vor allzu gierigen Musikverlagen und Medienhäusern schützen.
Wir können darüber diskutieren, ob der Urheberrechtsschutz nach dem Tod des Urhebers wirklich noch 70 Jahre bestand haben muss und darüber, wie wir vermeiden, dass die private Weitergabe z.B. von ‘nem Lieblingssong illegalisiert wird. Denn kaum ein Kreativer hat was dagegen, wenn man sagt, guck mal, der ist toll. Die meisten haben aber etwas dagegen, wenn andere ungefragt ihre Inhalte für eigene Interessen nutzen.
Und wir müssen einen Weg finden, das Urheberrecht sinnvoll an die digitale Zeit anzupassen.
Aber ohne einen Schutz der Urheber wäre den Künstlern das Brot genommen, das auch sie essen müssen.
Zum Angriff auf die Künstler durch Leute aus der Gruppe Anonymous schreibt der Tagesspiegel.
Heute im KStA äußern sich acht Autoren und Komponisten, darunter Peter Licht
“Das Leben meiner Band, meines Produzenten, meines Managements, meines Labels, meines Verlages ist nicht kostenlos. Ich erwarte Geld von dem, der das nutzt, was wir machen. Direkte Aktion. Da steh ich drauf. Geld für Arbeit. Ich möchte nicht am Ende von einer Turnschuhfirma bezahlt werden oder einer Bierbrauerei oder einem Telefonkonzern, oder sonst einer Industrie, die sich den Scheiß kauft und unter ihrer Flagge kostenlos zur Verfügung stellt als Markenpflege oder Werbung oder ‘Content’”.