Ich habe heute Nacht meinen Traummann gesehen. Gesehen stimmt eigentlich nicht, im Grunde habe ich ihn gespürt. Ich weiß nicht, wie er aussieht, was er gerne mag oder wie er riecht. Im Grunde kann ich noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass es ein Mann war. Das nehme ich einfach an. Unsere Körper haben sich sanft berührt und es hat klick gemacht. Wie Schlüssel und Schloss, wie zwei Puzzleteile und Sesam öffnet sich. Wir waren eine Einheit. Wir sind geschwebt, geschwommen, geglitten – alles war unwichtig und gut. Es war ein wunderschönes Gefühl in einem traumhaft schönen Traum.

Mein Sohn

Er kommt getrippelt, getrabbelt,
angeschlichen, ins Bett gekrabbelt,
kuschelt sich unter die warme Decke,
schmiegt sich an,
rollt sich ein wie eine Schnecke,
wohlig und warm,
liegt er da,
in Mamas Arm.

von: mayarosa

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Heute war ich richtig stolz, eine Bürgerin Kölns zu sein. “Köln stellt sich quer” hieß das Motto des Protestes gegen die europäischen Rechten, die hier auf Ihren “Anti-Islamisierungskongress” Stimmung gegen Muslime machen wollten. Kurz vor 12 Uhr kam ich an der Bühne am Gürzenich an. Mir klangen kölsche Töne entgegen. Ich glaube, es waren die Höhner. Ich traf eine Unternehmerin, die ich gestern noch auf einer Business-Veranstaltung kennengelernt hatte,  die Leiterin der ehemaligen Kita meines Sohnes samt einiger Erzieherinnen und viele weitere ganz normale Kölner aller Altersgruppen. Um zwölf gab es ein Friedensgebet, Redner, Kabarett, Infos zu den Protesten andernorts in Köln und dazwischen immer wieder Musik. Je nach Musikrichtung kam ein bisschen Open Air oder Karnevals-Atmosphäre auf. Ja, protestieren, Gesicht zeigen, aufstehen und Nein sagen kann richtig Spaß machen. Und es können nicht nur junge Erwachsene, sondern alle.

Entsprechend irritiert hat mich, dass der zuständige Redakteur von rp-online ein Bild mit Flammen und Linksradikalen zu dem Bericht über die Demonstration “Köln stellt sich quer” zeigt und titelt “Aufgeheizte Stimmung in Köln“. Auf der gesamten Bilderstrecke dominieren Linksautonome und brennende Mülltonnen – auch wenn dafür die gleiche Tonne zwei Mal aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt wird.

Meint der die gleiche Veranstaltung – auf der ich eben noch war? Ich habe eben noch friedlichen Protest und Partystimmung erlebt. Ist die Stimmung so umgeschlagen? Oder konstruiert hier jemand seine subjektiven Vorurteile in Berichterstattung und Bildwelten? Ich bin heute Mittag gegen 11:30 Uhr durch die Altstadt zum Gürzenich gelaufen – für Ortsunkundige, das ist in unmittelbarer Nähe zum Heumarkt, wo die Rechten ihre Kundgebung abhalten wollten. Gegen 16:00 Uhr bin ich wieder zurück, weil mein Fahrrad am Rheinufer geparkt war. Das einzige, was ich gemieden habe, war der Heumarkt selbst. Da war ja bekanntlich kein Durchkommen.

Ich wollte wissen, ob es wenige Meter vom Gürzenich entfernt, rund um den Heumarkt tatsächlich so gewaltsam zuging, wie die Bilder suggerieren. Machen wir einen Versuch, was die anderen Medien berichten:

Der Kölner Stadtanzeiger, der im Vorfeld selbst kräftig aufgerufen hat, zu protestieren und sich gegen die Rechten quer zu stellen, berichtet – ganz Kölner Lokalblatt – etwas kölnseelig, aber er trifft die Stimmung ganz gut, zumindest was die Gürzenich-Bühne angeht, vor der ich selbst stand.

Die Tagesschau greift auf die Berichterstattung des WDR zurück, der mit mehreren Journalisten, Kameras und Übertragungswagen an den unterschiedlichen Veranstaltungsorten präsent war und Berichte, Bilder, O-Töne und Videos auf seiner Seite hat. Es doniminieren die Bilder friedlicher Prostierender inklusive Karnevalststimmung.

Interessant: Auch die FAZ betont in ihrer Berichterstattung die Ausschreitungen so genannter “Linksautonomer”. Ich setze die Anführungszeichen deswegen, weil die Krawallmacher meines Erachtens überwiegend unpolitische Krawalltouristen sind. Den meisten dieser Krawallos dürfte es egal sein, weswegen sie Steine werfen oder Mülltonnen anzünden. Hauptsache, es knallt. Gut fände ich es, diesen Gruppen kein Medienforum zu geben, sondern sie durch die Polizei in Schach zu halten, damit sie möglichst wenig Schaden anrichten und ansonsten totzuschweigen.

Die Süddeutsche widmet sich in einem Online-Artikel ganz der Aufmerksamkeit, die die rechten Funktionäre von “Pro Köln” bekommen haben.

Warum nur? Auch die FTD nimmt die Ausschreitungen als Titel. Ich bin wirklich enttäuscht von den wirtschaftsliberalen und konservativen Blättern in Deutschland.

Mit einer derartigen Berichterstattung treffen sie weder den Geist noch das Jeföhl, das heute hier in Köln geherrscht und sicher für 10Tausende das Erleben dominiert hat. Sie könnten Mut machen, damit auch die Menschen in Dresden, Leipzig, in Hamburg, Berlin oder München aufstehen und Nein sagen. Das tun sie nicht. Sie machen Angst. Sie schrecken all die anständigen Menschen ab, die gerne ihr Gesicht gegen Intoleranz zeigen würden, die aufstehen wollen gegen den braunen Sumpf – die aber Angst haben, in eine gewalttätige Auseinandersetzung zu geraten.

Klar hat die Polizei die Sicherheit der Kölner Bürger als Argument hervorgebracht, das schwerer wiegt, als die Demonstrationsfreiheit, als sie die Veranstaltung absagte. Ich hatte den Eindruck, dass die Polizisten froh über einen Grund waren, die Veranstaltung absagen zu können. Denn bis dahin mussten sie aufgrund der Rede- und Demonstrationsfreiheit, die in unserem Land herrscht, eine Veranstaltung schützen, die sich gegen unser Grundgesetz und die dort verbrieften Rechte für alle Glaubensgemeinschaften wendet.

Am schönsten fand ich heute die angepasste Variante eines bekannten Karneval-Lieds: “Die Blockade geht weiter – kein Nazi kommt durch”. Es trifft einfach das kölsche Lebensgefühl, ein Partystadt, die Spaß haben will und wenn es sein muss, gemeinsam aufsteht und Farbe bekennt.

Ich wünsche mir, dass sich andere Städte in ganz Europa Köln zum Vorbild nehmen und ganz normale Menschen friedlich aufstehen und mit ihren Bands, DJs, Kabarettisten und anderen Kulturschaffenden vor Ort eine Riesenparty des Protests gegen Intoleranz veranstalten.

Gespräch am Frühstückstisch. Es geht darum, ob ein Arztbesuch zur Arbeitszeit oder zur Freizeit zählt. Mein (Ex)Freund hat sich informiert und erklärt mir, was er herausgefunden hat. Wenn ein Arzttermin außerhalb der Arbeitszeit nicht möglich ist, zählt der Arzttermin während der Arbeitszeit als Arbeitszeit. Die Fahrt dorthin allerdings wird als Freizeit gewertet. Darauf konnte ich nur kopfschüttelnd sagen: “So ein Gesetz können nur Deutsche machen.” Mein sechsjähriger Sohn hat das Gespräch verfolgt und mischt sich ein: “Das stimmt nicht. Ich bin auch in Deutschland geboren und ich kann das nicht.”

Das Wort des Tages hat mein Sohn heute am Abendbrottisch geprägt. “Das ist mir zu erwachsisch”, kommentierte er eine Unterhaltung zwischen mir und meinem Lebensgefährten, die er mit seinen sechs Jahren nicht verstand. “Erwachsisch”, gefällt mir der Ausdruck :-) .

Bis zu diesem Film hielt ich La Paloma für ein deutsches Seemannslied und habe es bei Hans Albers und Co. verortet. Dafür wäre ich wohl kaum ins Kino gegangen. Doch ein Beitrag der Sendung Skala auf WDR 5 hat mich neugierig gemacht. Jetzt weiß ich: La Paloma ist eine baskische Erfindung, vermutlich uraufgeführt auf Cuba in Havana mit dem für diese Karibikinsel typischen Sound. Unsere deutsche Fassung ist nur eine von unzähligen Melodien und Texten.

Der Dokumentarfilm begleitet das Lied um die Welt und lässt die jeweiligen Lokalexperten erzählen. Dies tut er in einer wunderbar unaufgeregten Erzählweise, die ihren Figuren sehr nahe kommt. Ob bei einer Hochzeitsgesellschaft auf Sansibar, bei einer Beerdigung in Rumänien oder zu Demonstrationen der Linken gegen die Konservativen in Mexiko.

Eugenia Léon mit ihrer mexikanischen Fassung hier auf YouTube:

Natürlich muss jeder Kinobesucher damit rechnen, dass er den Ohrwurm in irgendeiner Fassung noch eine Weile hört, wenn er schon längst auf dem Weg nach Hause ist. Doch dabei macht sich vielleicht – wie bei mir – so ein angenehmes Gefühl breit, das irgendwie alles ausdrückt: Abschied und Trennung, Fernweh und Sehnsucht, Geborgenheit und Heimkommen. Ich habe mir gleich am nächsten Tag die CD zum Film geholt.

Link zu La Paloma Film, Buch und CDs

Heute morgen in meinem Büro, Home Office. Zugegeben ich wollte auch nur naschen. Ein Schokoladen-Bonbon zum Kaffee, aus der Packung, die wir von unserem regionalen Telekommunikationsanbieter für die lange Zeit der Bauarbeiten vor unserem Haus bekommen hatten. Ich gehe ins Büro, sehe viele bunte Pralinenpapierchen, leer. Der Schokodieb spielte ein Zimmer weiter. Mein sechsjähriger Sohn war der süßen Verführung erlegen, ist nachts heimlich aufgestanden und hat die ganze Packung aufgegessen. Frühstücken wollte er heute Morgen nicht. War wohl noch schokoladensatt.