Ich habe heute morgen eine Call-In-Sendung auf WDR 5 zu dem für zwei Teilnehmer tödlichen Ausgang des Berglaufs auf die Zugspitze gehört. Grundsätzlich kann ich nur den Kopf darüber schütteln, wieso jemand mit kurzen Hosen und T-Shirt auf knapp 3.000 Meter Höhe will, bei einer angekündigten Schneefallgrenze von unter 2.500 Meter. Ist schon ziemlich unverantwortlich und dumm. Gleichzeitig beginnt jetzt das Fingerzeigen – auf die anderen. Die einen Sportler beklagen die Fehler der Sportler, die nicht trainiert genug an solchen Veranstaltungen teilnehmen oder nicht richtig ausgerüstet sind. Andere geben dem Veranstalter die Schuld. Wieder andere wollen sportliche Extremveranstaltungen am liebsten verbieten oder zumindest die Krankenversicherung dafür streichen – aber dazu gleich. Dann gibt es die klassische Medienschelte, dass nur das Besondere genügend Zuschauer zieht. Annette verweist in ihrem Blog auf den Kommentar in der Süddeutschen, der auf die Verantwortung des Veranstalters eingeht, aber auch auf das Problem mit der Haftung, falls das Event nicht so verläuft, wie angekündigt, weil es zum Beispiel wegen Wetterkapriolen verkürzt wird. Dem möchte ich noch das Interview mit dem Marathonläufer und Trainer Herbert Steffny im Kölner Stadtanzeiger hinzufügen, der zum Beispiel erläutert, wie sich der Veranstalter per Teilnehmervertrag das Recht vorbehalten kann, die Veranstaltung wetterbedingt zu verkürzen oder abzublasen.

Eine Reaktion auf die Tragödie fand ich ziemlich intolerant: Eine Dame heute morgen im Radio fühlte sich bemüßigt, das Verhalten der Sportler gegenüber der Gemeinschaft als unsozial zu kommentieren und möchte die Krankenversicherung für solche Veranstaltungen streichen. Es gibt viele Sportler, die sich verantwortlich und vernünftig verhalten. Und kein Mensch verhält sich nur gesund und nur sicher. Ich stelle mich ja auch nicht hin und plädiere für eine Schweinefett- und Zuckersteuer. Diese beiden Zutaten sind schließlich in höchstem Maße mitverantwortlich für Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes oder Gelenkerkrankungen infolge von Adipositas. Die Kosten dafür trägt auch die Allgemeinheit und sagt nicht, ab einem Bodymaßindex von Y bist du nicht mehr versichert.

Ob beim Sommerurlaub auf Mallorca, beim Extremsport, beim Essen oder sonstwo – es gibt immer Menschen, die Maß, Sinn und Verstand verlieren. Die beiden Sportler auf der Zugspitze haben die Fehleinschätzung ihrer Leistungsfähigkeit und der angemessenen Bekleidung teuer bezahlt – mit ihrem Leben. Das ist traurig genug. Dafür sollte man aber nicht alle anderen Sportler bestrafen, die sich besser einschätzen können. Sinnvoller finde ich es dann schon darüber nachzudenken, den Druck aus diesen Events zu nehmen, damit sie nicht immer noch schneller, noch höher, noch weiter gehen.