Auf yahoo habe ich heute einen Artikel gelesen, wonach Forscher der Uni Bamberg festgestellt haben, dass die Anlageberatung in den meisten Finanzhäusern mangelhaft ist. Das kann ich bestätigen – sowohl in Bezug auf Banken, als auch in Bezug auf freie Anlageberater. Man wollte mir Produkte verkaufen, um etwa Abgeltungssteuer zu sparen. Dass das für mich gar nicht relevant ist, habe ich erst beim Berater Nummer 3 in meiner Hausbank erfahren. Der bekommt dafür einen Vertrauensvorschuss.
Ich hatte mich endlich daran gewagt, meine Vorsorge-, Versicherungs- und Geldsituation vorzunehmen, damit ich zumindest weiß, wie ich abgesichert bin und welche Risiken ich trage. Ich habe nicht besonders viel Geld, aber das wenige soll ja wenigstens sinnvoll investiert sein. Der Prozess schreitet seit Ende letzten Jahres gut voran. Allerdings ist es sehr aufwändig, da keiner wirklich Tacheles redet, sondern irgendwie dann doch etwas verkaufen will oder unsauber arbeitet oder beides.
Ich habe mich von einer selbständigen Finanzberaterin beraten lassen, die sich selbst damit empfohlen hat, dass sie mit mir meine ganzen Versicherungen/Vorsorge/Anlage aufräumt und mit mir gemeinsam eine auf mich abgestimmte Strategie entwickelt. Ich muss lobend erwähnen, dass sich die Frau wirklich engagiert hat und viel Zeit und Geduld investiert hat. Enttäuschend war allerdings, dass ich so gut wie kein Papier von ihr bekommen habe, in dem nicht irgendwelche Fehler drin waren. Wenn die ganze Berechnung hinterher nicht stimmt, dann kann ich sie in die Tonne kloppen.
Diese Dame wollte mir einen Bausparvertrag verkaufen, damit ich Abgeltunssteuer spare. Ich kannte die Bausparkasse nicht, mit der sie zusammenarbeitet und habe auch einiges nicht verstanden und so habe ich ein bisschen gegoogelt und mir weitere Bausparkassen angehört und verglichen. Dabei tauchten eher weitere Fragezeichen und Misstrauen auf. Keiner erzählte mir die ganze Wahrheit oder erklärte mir die Sachen richtig.
Auch bei der Bank, bei der ich mein Tagegeldkonto habe, gingen die Gespräche eher in Richtung steueroptimierte Geldanlage wegen der Abgeltunssteuer. Kein Wort davon, dass mein Geld bei dieser Bank, sollte ich mal über den Freibetrag kommen, was bisher noch nie der Fall war, dann geringer besteuert würde. Denn aktuell müsste ich auf einem Tagegeld- oder Festgeldkonto 30 Prozent Zinsabschlagssteuer bezahlen. Diese wird durch die 25-prozentige Abschlagssteuer abgelöst. Teurer wird es nur für Aktienbesitzer. Haben die Berater so wenig Ahnung oder sind so hemmunglos vertriebsorientiert, dass der Kunde auf der Strecke bleibt?
Erst bei meiner Hausbank erklärte mir der Berater, dass die Abgeltungssteuer für mich völlig irrelevant ist, da ich keine Aktien habe und daher – wenn überhaupt – sogar Geld spare. Aber das Ganze würde sowieso erst relevant, wenn man mehr als 801 Euro Zinsen (ledige) verdient. Und die muss man ja auch ersteinmal haben. Ob ein Bausparvertrag für mich sinnvoll ist, weiß ich jetzt immernoch nicht so genau. Aber wenigstens machte dieser Herr einen kompetenten und interessierten Eindruck.
Stefanie Kühn hat ja recht, wenn sie sagt, dass man auch bei Vorsorge- und Geldanlage verschiedene Produkte vergleichen soll. Bei derart komplizierten und langfristigen Produkten und einer so schlechten und einseitigen Beratung, wie sie scheinbar nicht nur meinen Erfahrungen entspricht, sondern von den Bamberger Forschern ähnlich ermittelt wird, ist dies natürlich schwer.
Wenn ein Telekommunikationsanbieter einer Oma ohne Computer einen DSL-Anschluss verkauft, dann ist das widerrechtlich und er muss mit Strafe rechnen. Was aber ist mit den vielen unsinnigen Geldanlageprodukten, die uns aufgeschwatzt werden?
Ich wünschte mir, dass dieses Thema von den Verbraucherschützern und den Medien etwas stärker unter die Lupe genommen wird und die Berater mehr in die Pflicht genommen werden. Der ganze Versicherungs- und Anlagebereich ist so kompliziert, dass ich als Akademikerin oft Schwierigkeiten habe, das zu verstehen. Ich frage mich, wie das für Menschen ist, die weniger Bildung genießen durften oder deren Deutschkenntnisse nicht so gut sind.