“Franzosen haben lange Strümpfe an” sagt Lisette. Die muss es wissen. Sie wohnt schließlich an Ort und Stelle. Oje. Geduldsproben par excellence. Dabei bin ich im geduldig sein alles andere als exzellent. Im Gegenteil: Guten Tag, mein Name ist Ungeduld. Ich will und zwar jetzt. Sofort. Arrrgghh.
Und wenn ich so durch den Wind bin, wie gerade, verliebt und ohne Adresse oder Kontaktmöglichkeit zum Angebeteten, ohne Idee, ob der mich genauso toll findet oder nicht, auf’s Warten angewiesen, dann drehe ich am Rad. Meine Fantasie schlägt Saltos Mortales und denkt sich allerhand Geschichten und Szenarien aus.Vielleicht läuft er mit der Zeichenmappe durch die Welt, weil es seine Masche ist, Touristinnen damit anzuflirten und er erinnert sich nicht mal mehr, welche von den vielen ich nun bin. Oder er hat meine Kontaktdaten verschusselt und leidet, weil er mir jetzt nicht schreiben kann, dass er mich liebt. … oder … oder … oder. Ach, herrje. Wenn mir da mein Labyrinth mal nicht ‘nen extra hohen Stuhl in den den Weg gestellt hat. (Wer mit den Strümpfen und dem Labyrinth Verständnisschwierigkeiten hat, die Links führen zu den Beiträgen, auf die ich mich beziehe).
Ich habe schon zwei Briefe geschrieben und mühsam übersetzt, aber die Frage, ob ich sie abschicken soll oder nicht, stellt sich ja gar nicht. Ohne Adresse, an die ich sie schicken könnte.
Gut, die Adresse habe ich recherchiert. Das konnte ich rausfinden mit Foto und Google. Beim Familiennamen ist es mir leider bisher nicht gelungen. Und bevor mich hier jemand als Psycho beschimpft. Ja, du hast ja recht. Zu meiner Verteidigung: Ich bin von Natur aus ein neugieriges Wesen, habe lange als Journalistin gearbeitet und das Recherchieren noch ohne Web trainiert und wenn Menschen verliebt sind, sind sie doch sowieso ballaballa … Schulterzuck und grins.
Früher wäre das sicher kein Problem gewesen, mit Vornamen und Anschrift, ohne Familienname oder Etage. Ich erinnere mich an eine kleine Liaison amoureuse mit einem Austauschschüler aus Hennebont (Bretagne), die unsere Schule besuchten. Irgendwann, als er längst wieder zurück in La France war, erhielt ich einen Liebesbrief, auf dessen Umschlag einzig mein Vorname und der Name meines Dorfes korrekt waren. Alles andere war entweder falsch geschrieben oder Zahlendreher drin oder fehlte ganz. Aber da es den Ortsnamen meines Heimatdorfes in Deutschland nur einmal gibt und der Briefträger früher (so in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts) die Briefempfänger noch kannte und auch dazwischen, also auf dem logistischen Weg des Briefes von A nach B, vor allem Menschen arbeiteten, Menschen, die querdenken und mitdenken können, klappte es doch.
Heute sind es zu viele Maschinen. Die können nicht denken, nur standardisierte Prozesse bedienen. Und die Menschen, die am Ende die Briefe verteilen, wirken manchmal auch schon ganz standardisiert. Das wird in Chartres nicht viel anders sein als in Köln.
Ich gebe ja zu, dass ich einen an der Waffel habe. Mein emotionaler Zustand möge mich entschuldigen. Jedenfalls überlege ich, welche Wege ich noch finden könnte, Herrn W. eine Mitteilung zukommen zu lassen. Dafür mag ich heute sogar facebook. Dort hat die Kneipe, das Café, der Ort des Kennenlernens, eine Freundeseite. Hach. An den Namen der Kneipe habe ich mich natürlich nicht erinnert – Namen verpuffen ja in mayarosas Kopf wie Schall und Rauch. Die Kneipe wiedererkannt habe ich, obwohl es nur Fotos von drinnen gab, wo wir ja eigentlich gar nicht waren, nur draußen, weil ich den Kellner wiedererkannt hatte, der mit mir ein Wettrennen machen wollte
– ja, Gesichter merke ich mir deutlich besser als Namen, Zahlen und so ein Gedöns.
Vielleicht hat es ja auch was Gutes, dass meine Recherchen ins Leere laufen. Wer weiß. Ich sag’ nur: Lange Strümpfe.



Mayarosa,
schei.. was auf die Strümpfe, pack die Briefe und Dein Kind ins Auto und fahr nach Frankreich,
ich gebe hier nochmal mein Motto zum besten:
“wense wieder weißt watte willst, dann musse machen datte hinkomms”
Meine Güte ist dat nur spannend….
*lächelt versonnen
Mach das, was sweetkoffie schrieb. Egal, wie es endet: Du hast die Initiative ergriffen, anstatt den Kopf in den Wolkenbergen der Phantasie zu lassen. Sicherlich gibts ne Menge “könnte” “würde”, dennoch bin ich zu sehr Pragmatikerin als dass ich mich auf die romantische Idee verließe, dass man sich so fände.
Ich will leben, erfahren und spüren, selbst wenn es schmerzlich ist. Aber das muss es ja nicht sein.
Hab Mut!
Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinning
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Erich Fried
Mit diesen klugen Worten Frieds schließe ich mich den Vorkommentaren an!
Also, der Herr Nixzen ist ja ein praktischer Mensch:
Beim nächsten freien Wochenende würde er sich ne Thalis Karte kaufen und nach Chatre oder wo auch immer hin fahren und die Sache klären. Da kann das Leben manchmal sehr einfach sein, aber auch ehrlich und direkt.
Der Thalis fährt von Köln, wenn man früh bucht kostet er wenig 70 Euro Paris hin und zurück.
Vielleicht sind dann auch die Stühle weggeräumt:-))
Na. Ihr seid euch ja alle einig. Vielleicht habt ihr ja recht, habe auch schon mal drüber nachgedacht …
Das nächste freie WE gibt es frühestens im Juni, also so frei, dass man eine Zugfahrt mit zwei Mal 5 einhalb Stunden Fahrzeit machen kann.
Wäre ja aber schon ein bisschen verrückt …
Der Zugpreis ist leider nicht so einfach ermittelbar.
Diesel und Autobahngebühren haben zusammen 140 Euronen gekostet (Ja, habe die Erfahrung gemacht, dass mein Auto mit den in Belgien und Frankreich üblichen Tempolimits nur noch 5,5 Liter braucht. Wow)
Mayarosa, es soll nicht daran scheitern, dass du dein ganzes Geld für Fahrgeld ausgibst,
Sweetkoffie spendiert dir das passende Picknick für die Fahrt, stilecht mit Korbgeflechtköfferchen
ich würde lieber den ganzen Monat lang nur trocken Brot essen, als lange Strümpfe im Kopp haben
Ach, das ist ja herzallerliebst. Danke für dieses vorzügliche Angebot
))
Guck mal eins weiter. Isch abö die adress… die ganzö …
WE tauschen, wo ein Wille, da auch ein Weg
BINGO !!!
… da fällt mit eine Geschichte mit unvollständiger Adresse ein … liebe mayarosa … die Oma meines Ex-Ehemanns war schon 90 Jahre alt, als sie uns eine Karte schrieb mit der Anschrift “Herr Helmut und Frau Gemahlin” …, keine Straßenangabe, nur den Wohnort hatte sie richtig geschrieben … es war ein Dorf im Rhein-Erft-Kreis … und die Post ist tatsächlich angekommen. Das passiert eben nur in einem Dorf ….
Liebe Rose, das lässt ja hoffen. Aber das war bestimmt nicht im 21sten Jahrhundert oder?
neeee,
das war 1963 oder 1964 …. also nicht in der ‘Neuzeit’ …. hihi
Hallo Mayarosa,ich sage auch nur,setz Dich in´s Auto oder Zug und fahr hin,bevor Du Dich mit Fragen und Adresse suchen abquälst.Übrigens das mit den langen Strümpfen stimmt,auch die Italiener tragen sie,aber das sind eigentlich Kniestrümpfe,aber ich muss sagen,sieht besser aus als unsere Herren mit Socken.LG.Erika
Öhm, auf die Gefahr hin als unromantischer Pragmatiker durchzugehen: Lasst uns dem Franzosen doch eine Chance geben, sich zu melden, bevor die nächsten Zugtickets gekauft werden.
Wir wollen ja nicht, dass der Herr Franzose sonst kalte Füße bekommt, wenn Du da nächstes Wochenende aufkreuzt. Dann könnte er zwar die langen Strümpfe wiederum gut gebrauchen, aber die soll er sich ja gerade abgewöhnen.
Ansonsten kannst Du ja einen Brief an das Café schicken und sie bitten, es an den Zeichner weiterzuleiten – der schien dort ja bekannt zu sein. Hach, das wär wiederum seeehr romantisch.
Und gerade habe ich Deinen letzten Artikel gelesen. Das scheint ja dann schon geklappt zu haben
Du machst das schon, hör auf Dein Bauchgefühl
versuchs doch mal mit Google Street View, die Kneipe zu finden.. und den Namen.
[...] hat einer wohl verdammt lange Strümpfe an … oder keinen A…. in der Hose bzw. keinen Mumm in den Knochen … und mir fallen [...]