Weihnachten ist das Fest der Liebe, Freundschaft, Zuneigung, Besinnung, Einkehr, Ruhe … nee, so’n Quatsch: Weihnachten wird unterm Baum entschieden … so steht es doch auf Großplakaten. Das Konsumklima ist jedenfalls gut, die Leute kaufen also, was das Zeug hält.
Ähem. Darüber wollte ich gar nicht schreiben. Sondern über zwei Meldungen, die sich in meinem Kopf seltsam vermischen. Zum einen ist da die Diskussion um unseren Bundespräsidenten und seiner Beziehung zu Herrn Maschmeyer. Ich weiß nicht genau, was dahinter steckt, vermutlich ein kleiner böser Racheakt von jemandem, dem der Wulff auf die Füße getreten ist. Es geht um Moral, um Transparenz, Vorteilnahme und um die Frage, was ist erlaubt und was nicht.
Mal ehrlich: Wenn mir ein Freund zu günstigen Tarifen oder gar für Ömme für zwei Wochen das Ferienhaus seiner Eltern, Onkels oder sein eigenes in Südfrankreich oder Spanien überließe, würde ich Nein sagen? Ganz bestimmt nicht. Ich würde mich freuen und es gerne und dankend annehmen. Denn jeder nutzt die Vorteile, die er aus seinem privaten Umfeld hat. Die Frage lautet: Wie ist das bei Staatsdienern, Journalisten, Politikern? Was dürfen sie und wo fängt Vorteilsnahme von Amts wegen an? Ab wann sind sie bestechlich? Ab wann beeinflusst die freundschaftliche Zuwendung ihre Entscheidungskraft?
Über diese Frage zu reden und für alle lebbare und nachvollziehbare Regeln zu schaffen, fände ich hilfreich. Denn dieses Problem gibt es ja wahrlich nicht nur bei Bundespräsidenten bzw. Ministerpräsidentent, denn über diese Zeit reden wir ja. Dieses Problem gibt es in jeder kleinen Gemeindeamtsstube, in jeder kleinen Redaktion, in jedem Blog, der eine gewisse Öffentlichkeit erreicht, in den Einkaufsabteilungen der Firmen, im Grunde überall da, wo Einfluss ist. In der Diskussion um Wulff mischt meinem Eindruck zufolge immer so ein bisschen der Neid mit und die Missgunst. Das finde ich kontraproduktiv und schädlich für unser Zusammeleben.
Auf der anderen Seite des großen Teichs geht es auch um Moral, darum, dass ein Mitarbeiter Firmengeheimnisse verraten hat – oder darum, dass er illegale Machenschaften veröffentlicht hat. Ist Bradley Manning nun Verräter oder Held? Er hat interne, als geheim eingestufte Dokumente an Wikileaks weitergeleitet zur Veröffentlichung. Das ist verboten. Vertraulichkeit zu missbrauchen ist falsch. Andererseits waren unter diesen Unterlagen Videos und Dokumente, die schwere Menschenrechtsverletzungen durch US-Soldaten beweisen. Das aufzudecken, erfordert Mut und Sinn für Gerechtigkeit. Das ist gut und richtig. Auch hier täte eine offene Diskussion über Transparenz, Moral und darüber, wie weit Treue gehen muss und wann die Verantwortung für Gerechtigkeit größer ist der Sache gut. Aber es sieht nicht so aus, als ob diese Debatte ernsthaft geführt wird.
Eigentlich bräuchten wir eine echte Wertedebatte. Aber in einer Gesellschaft, die Weihnachten unterm Baum entscheidet, ist das vielleicht zu viel verlangt.



Liebe Mayarosa,
in einer Konkurrenzgelellschaft, in der Profitmaximierung das Ziel ist, muss es genauso laufen: Geheimhaltung einerseits und Bestechung auf andererseits.
In meinen Augen kann ein Topmanager, wenn er bestehen will, doch nur korrupt sein.
Und unsere Politikerlandschaft ist mittlerweile zu einem Machterhaltungsgerangel geworden, weshalb ja kaum noch ein Bürger mit gesundem Menschenverstand hinschauen mag. Mir war vor ein paar Monaten der Kragen geplatzt.
Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass wir zu einer Kooperationsgesellschaft kommen müssen, dann braucht es keine Korruption mehr, und es würde nicht der BIP gemessen sondern der Wohlfühlfaktor.
Liebe Grüße, Martin
Lieber Martin, vielen Dank für deinen Kommentar. Du warst im Spamfilter gelandet, aber ich habe dich ja rausgefischt.
Die reine Fixierung auf Profitmaximierung ist falsch, da bin ich ganz deiner Meinung. Dennoch finde ich dein Urteil etwas zu hart. Niemand ist gut oder böse, weil er/sie eine bestimmte Position innehat. Ich möchte keine Gräben und keine Grabendiskussion – hier die guten Bürger – dort die bösen Mächtigen. Das halte ich für kontraproduktiv. Die einfachen Bürger sind nicht besser oder schlechter als die Mächtigen. Braucht so einen “einfachen Bürger” ja nur in eine Machtposition zu stecken und sieht, was dann passiert. Ebenso gibt es sehr kluge und gerechte Mächtige. Die Menschen sind, wie sie sind. Wir haben keine anderen. Und eine Gesellschaftsstruktur, die funktionieren soll, muss genau dies berücksichtigen.
Auch wenn ich wahrlich kein Fan von Wulff war und bin, ist mir Debatte zuwider. Es ist so, wie du es schreibst: Jeder nimmt Vorteile und Gelegenheiten gerne an. Manche Politiker stolpern darüber, andere (Özdemir) sitzen solche Affären aus. Auch wenn es im Bereich der Politiker nicht passieren darf – es sind alles nur Menschen. Weise Westen sind selten.
Und damit wären wir bei der Schlacht unterm Baum (diese Kette hat bei mir spätestens jetzt vollends verschissen), weißt du, was mir dazu eingefallen ist: nanuunanaa verkauft baby-T-Shirts mit dem Aufdruck: Mein Papa ist stärker als deiner. Meine Mama ist schöner als deine… Ich sah das erste T-Shirt an einem Jungen. Und konnte innerlich nur den Kopf schütteln. Mit wem will man hier Wertedebatten führen?
Anyway: Liebe Grüße gen Westen!
Du sprichst mir aus der Seele. Ebenso liebe Grüße in die Hauptstadt
Wie Du siehst liebe Mayarosa, hast Du schon die Diskussion angefangen und ich begrüße diese, gehört es doch zum besinnlichen Teil der Weihnacht, dem astronomischen Beginn des neuen Jahres dazu. Es melden sich Leute auch vor Weihnachten noch zu dem Thema. Also ganz so schlimm kann es um unsere Gemeinschaft nun doch noch nicht bestellt sein. Ich gebe Dir vollkommen Recht, eine Wertedebatte müßte ernsthaft mal erfolgen. Nur sie wird auf Bundesebene nicht viel nützen und nur eine Scheindebatte darstellen, uns nur weiter die Augen verkleistern. Ich denke, wir sollten bei uns selbst anfangen und in unseren Umfeld diese Diskussion mit Auswirkungen auf unser eigenes Handeln führen. Ich erlebe in meinen Umfeld oft, wie man so kleine Kavaliersdelikte vertuscht, versucht zu verschönigen, die aber anderen zum Nachteil geraten oder sie menschlich verletzen. Wir sollten uns auch darüber im Klaren sein, wo Mensche handeln wird es nie 100% korrekt zugehen, wir können uns diesem Zustand nur annähern. Verzeihen ist auch eine wichtige Menschliche Größe!
Noch einen Satz zur Korruption. Sie entspringt alten Traditionen, perfide haben wir sie gemacht, in dem wir vor dem Erfüllungszustand nachgeholfen haben, die Entscheidung zu erleichtern. Wir schreien laut auf, wenn da wierder Geld versickert, das wir für einen anderen Zweck vorgesehen hatten. Ist unser Staatshaushalt was anders?
Ich halte die ganze Breittreterei von Skandälchen nur für widerlich, Es zerreißen sich Menschen über andere das Maul, die im gleichen Augenblick vielleicht nicht besser handeln. Für mich gilt der biblische Spruch, “der der frei ist von jeglicher Schuld, der werfe den ersten Stein”. Es stellt sich die Frage, wem nützt es? Es bedient niedrigste Instinkte und wird so gern angenommen und die Boulevardpresse muß nicht über die hungernden Kinder am Horn von Afrika berichten, weil das würde ja eine Wertedebatte notwendig machen!
Viele Grüße auch gen Westen und ein besinnliches Fest unterm Weihnachtsbaum in peace com. Mike
Lieber Mike, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Du schreibst: “Ich gebe Dir vollkommen Recht, eine Wertedebatte müßte ernsthaft mal erfolgen. Nur sie wird auf Bundesebene nicht viel nützen und nur eine Scheindebatte darstellen, uns nur weiter die Augen verkleistern.”
Warum eigentlich? Ich meine, würde eine solche Debatte, wie du schreibst, ernsthaft geführt, dann wäre das doch gut. Wenn es natürlich nur Quotenhascherei ist, nach dem Motto: Schön, dass wir auch da mal drüber geredet haben und jetzt back to business as usual, dann wäre das Quatsch, da hast du recht.
Vielleicht bin ich an der Stelle ein zu großer Pessimist, mag sein, aber genau darauf läuft es am Ende immer hinaus. Und noch ein kleines Weihnachtsgeschenk an die Runde: http://www.kenfm.de/wordpress/category/downloads/
Ken Jebsen wurde wegen hahnbüchnen Gründen bei FRITZ entlassen, rate mal warum?
Frohe Weihnacht allen Mike
Warum denn?
Hast Du dir das Thema “Uranmunition” und die Haltung der Bundesrepublik mal angehört. Ich glaube, dann würde sich Deine Frage erübrigen, nur un ein Beispiel herauszunehmen und eiigendlich wollten wir uns mal mehr an keinem Krieg mehr beteiligen…. Meist du ernsthaft, das da eine Wertediskussion noch was bringen würde????. Wir sind alles Menschen und wer auf Menschen schießt oder dafür die Mittel produziert macht sich strafbar! Nur um mal einen Wert herauszugreifen oder siehst du das anders”
Ach so falsche Antwort, er soll antisemitischen Äußerungen in eine mail geschrieben haben, wer sie gelesen hat, wurde ja veröffentlicht, erkennt, das der Satz aus dem Sinnzusammenhang gerissen wurde… also warum dann??? Gehe auf seine homepage, dann findest Du auch die Antwort, weil er nicht schweigt und die Augen verschließt
Ich möchte hier ein ganz, ganz kleines positives Beispiel einbringen von Menschen, die unsere Gesellschaft nicht so richtig wahr nimmt, weil deren Handeln kaum öffentliche Resonanz findet. Kennst Du die MEZIS http://www.mezis.de/ ? Diese Abkürzung steht für “Mein Essen zahl ich selbst!” Das sind Ärzte, die aus ihren Praxen jegliche Werbung von Pharmafirmen verbannt haben. Da werden weder Kugelschreiber mit Werbeaufdruck verwendet, noch lassen sich die Ärzte Stethoskope o.ä. sponsern. Bei durch Pharma durchgeführten Fortbildungen bezahlen diese Ärzte ihr Essen selber, daher der Name. Tagungen in Begelitung von Lebenspartnern an exotischen Orten ist völlig tabu (die gibt es für Otto Normalarzt auch nicht mehr, anders als vor noch 15 Jahren).
Liebe Grüße,
Elvira
die eine Wertedebatte quer durchs ganze Land sehr positiv fände
Danke liebe Elvira, für das ermunternte Beispiel. Davon brauchen wir noch viel mehr.
Ich bin auch für eine intensive Wertedebatte in unserem Land. Können diese altmodischen Wörter wie “Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit oder Lauterkeit” noch mit Inhalt gefüllt werden? Gibt es Personen der Öffentlichkeit, die sich an solchen Werten orientieren? Oder worum geht es? Ich finde solche Diskussion auch sehr spannend! LG von Rana (über Frau Landgeflüster bei dir gelandet
)
Willkommen hier liebe Rana. Ja, wir sollten darüber reden, in welcher Welt wir leben wollen und welchen Werten wir welche Bedeutung beimessen. Und ich denke, jeder einzelne sollte sein eigenes Verhalten im Hinblick auf diese Moralvorstellungen prüfen. Das wäre schon ein echter Fortschritt. LG
Natürlich würde ich auch in ein Ferienhaus fahren, wenn ich jemanden kennen würde, der eins hätte. Aber eins unterscheidet mich dann doch von Herrn Wulff…. ich treffe keine politischen Entscheidungen und ich nehme niemandem mit in Wirtschaftsdelegationen und verschaffe ihm so ein Vorteil, den er sonst nicht hätte. Und damit und mit seiner Art der Wahrheitsfindung finde ich Herrn Wulff untragbar. Meiner Meinung nach wäre sowieso Gauck der bessere Präsident gewesen und nicht Herr Wulff von Muttis Gnaden. Es wird Zeit, das dieser Posten neutral besetzt wird und nicht mehr nach Parteiinteressen.
Dieser schnarchnasige Niedersachse war von Anfang an eine Fehlbesetzung und für mich hat er nun auch wirklich jede Glaubwürdigkeit verloren, so er denn je eine gehabt haben sollte (ich tue mich da zugegebenermaßen bei CDU-Politikern grundsätzlich etwas schwer)
Den Gauck hätte ich auch lieber gehabt. Dennoch scheint mir so einiges an der jetztigen Debatte scheinheilig. Sagt mir mein Bauchgefühl.
Die von dir aufgeworfene Frage, nämlich ob eine Vergünstigung Einfluss auf meine Entscheidungen hat, trifft ja nicht nur Politiker, sondern auch Journalisten, Beamte, kommunale Sachbearbeiter, privatwirtschaftliche Einkäufer, Ärzte etc. – Manche Unternehmen geben sich selbst einen Kodex und bestimmte Verhaltensregeln. Hier sollte man sich ein paar gute Beispiele herausgreifen und allgemeine Codices formulieren, auf die jeder gewählte Politiker seinen Eid ablegen muss und woran er gemessen wird. Ich denke, heute sind für viele Menschen viele solcher Entscheidungen Bauchsache, die sie in einer gewissen Unsicherheit treffen.
Ich denke ähnlich wie Frau Momo und finde, dass man einen Arzt und einen Bundespräsidenten und Privatpersonen nicht vergleichen kann. Oder doch? Wenn ich nämlich bei jemandem im Hause wohnen dürfte, in einer Villa irgendwo, dann würde ich mich erkenntlich zeigen, auf irgendeine Art. Und wenn das ein Politiker tut, ist die Gefahr sehr groß, dass diese ‘Anerkennung’ im politischen Bereich liegt.
Ein Arzt ist ein ‘Medizinmann’, aber ein Bundespräsident ist der erste Mann im Staat und es wird immer auf seine Vorbildfunktion verwiesen. Gerade er wäre es, der eine Wertediskussion in Gang setzen müsste/könnte, aber das kann er jetzt nicht mehr. Er würde ausgelacht werden. Und das ist der Punkt. Als moralische Instanz ist er – zumindest in einem Großteil der Bevölkerung – unten durch.
Klar, das Problem gibt es ‘in jeder kleinen Amtsstube’, sprich bei allen Beamten. Allerdings sind die gesetzlichen Regelungen da und sie werden auch angewendet, wenn jemand eindeutig erwischt wird.
Liebe April, ich verstehe sehr gut, was du meinst, hatte es im Post ja auch angesprochen. Klar kann ich eine Urlaubsreise leichter annehmen, wenn ich dadurch nicht in Verdacht gerate, sie beeinflussten meine Entscheidungen für die Interessen des Schenkers.
Die Abstufung Politiker-Arzt würde ich so nicht machen. Der Politiker verschleudert im Zweifel meine Steuergelder und macht Gesetze im Lichte einzelner Lobbygruppen. Der Arzt verschleudert im Zweifel meine Versicherungsgelder UND meine Gesundheit, weil er Produkte eines Pharma- oder Medizinprodukteherstellers wählt, die eben nicht die beste medizinische Versorgung darstellen, sondern die ihn füttern.
Jeder, der solche Entscheidungen trifft, muss sich fragen lassen, in welchem Interesse er das tut. Das gilt für ganz viele Menschen, nicht nur für die oberste politische und wirtschaftliche Klasse. Gesetze und Moral gelten für alle gleich. Sonst messe ich mit zweierlei Maß.
[...] hatte vor einiger Zeit schon mal geschrieben, dass mir diese ganze Wu(l)ff-Debatte ziemlich missfällt, nicht weil ich Wulff mag – mag ich nicht – hätte lieber Gauck gehabt. Und auch nicht, [...]