Liebe Blogbesucher, ich weiß, dass ihr dies hier wahrscheinlich sehr unterschiedlich bewertet. Ich poste es aber, nicht, weil ich selbst abends gerne rauche, sondern weil mir die um sich greifende Regulierungswut gewaltig auf den Keks geht. Nein, nicht nur auf den Keks. Ich mache mir tatsächlich Sorgen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Die Anti-Raucher-Hatz ist nur ein Beispiel.
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens scheint einen persönlichen Krieg gegen Raucher zu führen – warum auch immer. Aber ihre persönlichen Befindlichkeiten gehen mich nichts an. Ich möchte einfach nicht in einem Staat leben, der alles für seine Bürger regelt und reguliert. Das entspricht nicht meinem Verständnis von Freiheit und Demokratie.
Versteht mich nicht falsch. Ich finde es gut und richtig, dass in Restaurants nicht geraucht wird. Ich finde es auch gut, dass es inzwsichen viele rauchfreie Veranstaltungen gibt. Das war früher anders. In den 80er Jahren – als ich Kind war – kamen Verwandte zu uns in die Küche, haben sich dort ihre Rauchwaren angesteckt und gingen selbstverständlich davon aus, dass ihnen meine Mutter einen Aschenbecher hinstellte, was sie auch tat – obwohl in unserer Familie niemand rauchte. Das war nicht okay.
Diese Antiraucherhatz, die Frau Steffens betreibt, kippt meiner Meinung nach aber in die andere Richtung und ist ebenfalls nicht okay. Man kann inzwischen schon von Raucherdiskriminierung sprechen. Nicht nur, dass Gastronomen gegängelt und in ihrer unternehmerischen Freiheit beschnitten werden, jetzt sollen noch die letzten Räume für Raucher geschlossen werden.
Was ist eigentlich das Ziel, das Rauchen noch weiter zu verbannen oder soll ich gleich sagen, das Rauchen zu verbieten, ähnlich wie harte Drogen? Da ist doch Maß und Ziel verloren gegangen, finde ich.
Und dann hat diese Verbotskultur ja noch andere Auswirkungen – sowohl auf unser Zusammenleben als auch auf unseren Geruchssinn. Ich hatte hierzu letztens ein Erlebnis der anderen Art:
Ich war auf einer Karnevalsveranstaltung, auf der nicht geraucht werden durfte. So weit so gut. So bekam ich mehr frische Luft als die Nichtraucher, weil ich ja immer wieder mal raus vor die Tür ging. Draußen standen immer so an die 20 Raucher. Selbst wenn die sich in Zimmerlautstärke unterhalten, ist es für die Nachbarn eine erhebliche Lärmbelästigung. Schließlich waren wir in der Severinstraße, einer engen Innenstadtstraße. Mir taten die Nachbarn leid. Denn auch das ist eine Folge des Rauchverbots in den Kneipen, dass die Nacht eben lauter wird.
Die zweite Erkenntnis dieses Abends: Auch ich finde es fies, wenn meine Klamotten nach kaltem Rauch stinken. Ohne Frage. Nach diesem besagten Abend aber hätte ich mir gewünscht, ich würde wenigstens nur nach kaltem Rauch stinken. Da es eine Karnevalsparty war, war der Raum deutlich voller, als ein Restaurant oder eine gewöhnliche Kneipe. Mangels Zigarettenrauch eroberten die anderen Duftnoten Haut und Haar. Und so stieg zuhause eine Mischung aus Schweiß und anderen Körperausdünstungen unterschiedlichster fremder Menschen kombiniert mit dem Gestank nach altem Fett von den Frikadellen und Schnitzeln, die dort gereicht wurden, in meine Nase. Bäh… war das ekelig.
Buchtipp: Juli Zeh beschreibt in ihrem Roman Corpus Delicti eine Gesellschaft, in der Gesundheit oberste Bürgerpflicht ist - Brave New World lässt grüßen.
Hier geht es zur Onlinepetetion gegen ein neues Nichtraucherschutzgesetz in NRW. Ich hab’ unterschrieben.



Die Raucher auf der Straße könnten auch einfach schweigend rauchen, nicht? Wenn sie schon rauchen zu müssen glauben. Und das Rauchen billigen wollen, weil es so schön praktisch andere Gerüche überdeckt, das ist schon, wie soll ich sagen, etwas schräg.
Da die Kultur rücksichtsvollen Miteinanders im Niedergang begriffen ist, braucht es sogar noch mehr Verbote.
Liebe/r Solminore, ich respektiere deine Ansicht. Aber du hast bestimmt Verständnis dafür, dass ich nicht zu Artikeln verlinke, die einer Verbotskultur huldigen. Denn Staaten in denen die Regierung bis ins Détail reguliert, kontrolliert und sanktioniert, was dem Volk erlaubt und was ihm verboten ist, hatten wir genug. Und es gibt davon (leider) noch genug auf der Welt. Wenn ich dich richtig verstehe, weißt du, wie Menschen zu leben haben und wenn sie das nicht freiwillig tun, dann wird es eben erzwungen. Prost Diktatur, kann ich da nur sagen.
also ich ( Nichtraucher) und meine Raucher-Freunde finden es besser ohne Rauch in der Stammkneipe und auf Konzerten. Ich Raucherkneipen/Clubs halte ich es ca. 60 min aus, dann hau ich nach Rauch stinkend ab.
Das mit der Dikatatur ist wohl war, früher eine Raucherdikatur, jetzt eine Nichtraucher. Ein Mittelweg ist immer gut, prost!
“Ein Mittelweg ist immer gut, prost!”
Yep. Da trink ich mit drauf!
Ich stimme Dir voll und ganz zu! Schön, dass mal wieder jemand den Mut findet, das Thema aufzugreifen. Diese Gängelei führt zu einer sozialen Spaltung, die nicht mehr zu übersehen ist. Ich bin ja öfter in anderen Ländern und stelle fest, dass Toleranz dort sehr viel mehr gelebt wird, trotz Rauchverbot in Restaurants usw. Es scheint ein stückweit deutsche Bissigkeit zu sein, den Rauchern auch noch nachzusetzen. Furchtbar!
Hier in Berlin hat vor einiger Zeit, der fränkische Ober-Nichtraucher der Nation sogar Rentner rekrutiert, die im Stadtteil Neukölln das Rauchverbot in Kneipen kontrollieren sollten. Ergebnis waren tätliche Übergriffe … muss man so was noch verstehen?
Und Ja! Mit welchem Gestank so mancher Nichtraucher seiner Umwelt auf die Nerven geht, ist in der Tat kaum auszuhalten, da wünscht sich sogar mancher Nichtraucher ein bisschen Tabakqualm zur Desinfektion.
Da ist bestimmt was dran. In Deutschland gibt es eine Tendenz, alles ganz genau bis ins Détail regeln und kontrollieren zu wollen.
Und es ist richtig, dass die Regelungswut in manchem Bereichen übergriffig wird. Kürzlich hatten wir es hier im Blog ja auch über radikale Veganer, die am liebsten das Fleischessen ganz verbieten wollen. Oder dass Tagesmütter behandelt werden sollen wie Großküchen.
Hallo Mayarosa,
dem Thema Überregulieren hatte ich mir letztes Jahr auch gewidmet. Es ist deutlich zu sehen, dass wir mit jeder Regel mehr unsere soziale Kompetenz der Rücksichtnahme und der Eigenverantwortung verlieren. Daher kann ich Deinen Unmut gut verstehen.
Ich würde mir wünschen, dass wir unsere Regularien anfangen auszumisten. Am liebsten bis zu einer einzigen: “Entscheide immer so, als könnte sie eine allgemeingültige Regel sein.”
Hier ist mein damaliger Artikel: Überregulierung: An die Stelle einer sozialmoralischen Selbststeuerung tritt die soziale Fremdsteuerung durch Vermehrung von Vorschriften und Gesetzen
Schönen Feierabend noch,
Martin
Da ist sicher etwas dran, dass Bürger ihre Eigenverantwortung zunehmend an den Staat abgeben, der alles regeln soll. Damit dies funktioiniert, muss standardisiert werden. Und damit das funktioniert, muss alles, das aus der Norm herausfällt geächtet werden.
Passt zwar nicht hierher, aber fällt mir gerade ein: Ich habe mal eine Großhändlerin von Bioware gefragt, warum auch Biokarotten alle so gerade und gleichmäßig gewachsen sind – aus dem elternlichen Garten weiß ich, dass dies keineswegs der Natur des Karottenwachstums entspricht. Dort sind die krumm und schief und regen bisweilen die Phantasie an, weil sie lustige Formen bilden oder zwei zusammengewachsen sind. Nun, es gibt Vorschriften, die nur Karotten mit einer bestimmten Bemaßung für den Handel erlaubern … einfach irre.
Liebe mayarosa,
1. Dein Text gefällt uns gut.
2. Wir sind Raucher, insofern also etwas befangen ..
1. Danke
2. Wieso eigentlich? Nichtraucher treten doch auch für ihre Interessen ein. Das ist völlig okay. Eine Demokratie sollte Interessensausgleich aushalten können.
Ich habe die Petition unterschrieben!!
Seit 15 Jahren rauche ich NICHT mehr, bin trotzdem KEIN militanter Nichtraucher. Ich bin der Meinung, daß wir von Frau Steffen nicht noch mehr gegängelt werden müssen. Leben wir nicht in einer Demokratie und können selbst über uns entscheiden?? Die Raucher sind mittlerweile schon ‘Menschen zweiter Klasse’. DAS JETZIGE GESETZ IST IN ORDNUNG, es braucht KEINE Verschärfung. Hat Frau Steffen nichts Wichtigeres zu entscheiden? Dann tut sie mir aber leid …..
Liebe Rose, ich danke dir. Dein Kommentar spricht mir aus der Seele. Zum Glück habe ich auch Nichtraucherfreunde, die das ähnlich sehen wie du.
Hui, und ich sehe, du hast dein Icon jahreszeitlich angepasst
Au Backe! Was für ein Unsinn, den “Solminore” da absondert. Raucher sollen bei Wind und Wetter vor die Tür, sie sollen dort gefälligst schweigen und wir alle sollen den erdrückenden Gestank einer seelenlosen Nichtraucherkultur nicht nur ertragen, nein, wir sollen uns möglichst auch noch verbieten lassen, das Wort gegen die solcherart heraufbeschworene Diktatur der Hypochonder zu erheben …
Gehts noch?
Zum Glück weiß ich aus meinem privatem Umfeld, dass Raucher, Nichtraucher und sogar Nicht-mehr-Raucher wunderbar in Toleranz und Frieden eine gemeinsame Kultur des Miteinanders leben können
Äh…von Körperschweissgestank kriegt man keinen “Krebs”, und da in meinem Verwandten- und Freundeskreis ein paar Leute mit schrecklichen Krankheiten und auch mit “Tod” (sicherlich verursacht vom Qualmen) konfrontiert waren und sind, verabscheue ich die Qualmerei, manche fallen einfach um und sind tot, andere quälen sich mit grauenvollen Krankheiten herum.
Liebe Ursula, in dieser Logik müsste Alkohol erst recht verboten werden, nicht weil Alkohol als Zellgift um ein Vielfaches gesundheitsschädlicher für den Konsumenten ist, sondern weil der gesellschaftliche Schaden Unbeteiligter durch Alkohol viel höher ist. Einer meiner Mitarbiturienten hat mit 20 in einer Nacht seine drei besten Freunde verloren, weil sie ein Besoffener tot gefahren hat, eine Mitschülerin hat mit 16 ein neues Kiefer bekommen und ihr damaliger Nachbar humpelt bis heute, aus dem gleichen Grund. Du weißt, dass dies nur wenige von zahllosen Beispielen sind… zum Alkohol am Steuer kommen Gewalt in der Ehe und Prügeleien auf der Straße, durch Hooligans und andere wildgewordene Randalierer. Menschen, die in U-Bahnen oder sonstwo ins Koma geprügelt werden, werden das selten von nüchternen Schlägern.
Nein, ich will Alkohol nicht verbieten. Ich will überhaupt, dass der Staat sich nicht in alles einmischt, weil er so den Leuten die Eigenverantwortung abgewöhnt. Und durch 100prozentig gesundes Leben hat noch niemand den Tod verhindert. So schrecklich Krebs ist, durch Raucherächtung lässt er sich nicht ausrotten. Und selbst wenn die Medizin irgendwann Krebs heilen kann, so wird sich die Natur andere Krankheiten einfallen lassen. Ich weiß nicht, ob Alzheimer so wirklich viel schöner ist.
Heute muss sich außerdem kein Nichtraucher einer verrauchten Situation aussetzen, wenn er ausgehen will. Es gibt nun wirklich mehr als genug Lokale und Kneipen, in denen nicht geraucht wird. Wie gesagt, finde ich ja gut. Auch in NRW gibt es nur noch ein paar wenige Resträume für Raucher.
Die totale Ächtung, die Frau Steffens propagiert, hat meiner Meinung nach Maß und Ziel verloren.
Im Kontext der Süchte, gerade in Hinsicht auf den ungesunden Alkohol wird es immer wichtiger, dass Cannabis wieder freigegeben wird. Herr Ströbele von den Grünen macht einen erneuten Versuch
Damit könnten auch die harten Drogen wieder vom Markt gedrängt werden und es gäbe weniger Beschaffungskriminalität und am Ende weniger Tote.
Besser wäre sicherlich, wenn wir das mit der Schule besser machten, so dass wir nicht mehr so süchtig werden (siehe die aktuellen Kritiken an unserem Schulsystem).
Haha … lach’ mich kaputt. Ströbele geht back-to-the-roots während seine Parteikollegen den Gesundheitskontrollstaat ausrufen und Nikotin illegalisieren… Frage mich, ob er auf seine alten Tage der Partei, die glaube ich sogar mal selbst mit gegründet hat, noch den Rücken kehrt.
Also, ich bin seit einigen Jahren nichtrauchende Raucherin und finde es auch gut, dass in Restaurants nicht geraucht werden darf – eben zum Schutz aller dort. Vorgestern in der U-Bahn hielt sich jemand nicht an das auch dort geltende Verbot. Alle Fahrgäste wurden nervös, schauten sich um und an und entdeckten das rauchende Paar. Allerdings sagt niemand etwas, ist in U-+S-Bahnen wohl auch besser. Lieber nicht die eigene körperliche Unversehrtheit riskieren (das bisschen Rauch war dagegen zu ertragen.) Auch in den Öffentlichen ist das Nichtrauchen sinnvoll – vor einigen Tagen gab es durch eine weggeworfene, noch glimmende, Kippe einen Kabelbrand in der U-Bahn. Also für einige Bereiche halte ich das Verbot für sehr sinnvoll. In anderen für absolut überzogen. Wie in vielen Dingen ist auch dies hier eine Frage des guten Willens. Allerdings denke ich schon, dass, wie ich an anderer Stelle mal gelesen habe, sich Raucher durch Nichtraucher belästigt fühlen, etwas zynisch zu interpretieren wäre. Aber wahrscheinlich findet das auf dem gleichen Level statt wie die Diskussionen zwischen Fleichesser und Vegetariern. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten.
Was nun den Staat betrifft, der sollte sich hier mal schön raushalten. Erstens können erwachsene Menschen, die auch an die Wahlurnen gelassen werden, wohl sehr gut selbst entscheiden, was, wo und ob sie rauchen wollen. Da sollte sich der Dealer im Staatsröckle mal schön klein machen.
[...] Kommentare « Hört auf, uns tot(al) regulieren zu wollen! [...]
Ich bin auch befangen, was mich aber ankäst, ist diese verlogene Doppelmoral. Werbung ist erlaubt, der Staat verdient sich dumm und dusslig an den Steuern (nicht zu vergessen, wir rauchen schließlich für Frieden und Vaterland – die letzte Tabaksteuererhöhung wurde mit dem Afghanistan-Einsatz begründet, für mich eigentlich ein Grund aufzuhören).
Ich bin für Verbote von Alkohol- und Tabakwerbung, ich bin für Aufklärung, aber gegen diese Hatz.
Ich halte mich für eine rücksichtsvolle Raucherin, soweit man das sein kann, aber alles hat auch Grenzen.
Ich finde es gut, wenn einem das Essen nicht vollgequalmt wird, aber wenn hier die Eckkneipen kaputt gehen, die Wirte reihenweise aus ihren Kneipen private Clubs machen müssen, um das Rauchen doch erlauben zu können, dann ist was schräg.
Und nicht nur das: Frau Steffens möchte jetzt auch noch die privaten Rückzugsräume für Raucher und sämtliche Clubs verbieten.
Irgendwo in dieser Republik nimmt jemand Anlauf, so dass dem Alkohol das gleiche widerfährt. Es wird damit anfangen, dass außerhalb von Außengastronomiebetrieben Alkoholverbote ausgesprochen werden und in zehn Jahren diskutieren wir darüber, ob beim Oktoberfest oder an Karneval noch Bier ausgeschenkt werden darf!
Lasst uns diesen Verbotsirrsinn endlich stoppen!
Dann soll sich diese Dame mal angucken, was zu Zeiten der Prohibition so los war. Cannabis soll aus der Illegalität und Raucher und Alkoholkonsumenten rein. Tolle Logik.
[...] Dingen gut für ALLE, weil dann Haut und Haare heute morgen nicht wieder so entsetzlich stinken, wie letztens in der Südstadt. Die Luft war sowieso sehr sauerstoffreduziert. So viele Menschen auf engem Raum, die auch noch [...]