Bis zu diesem Film hielt ich La Paloma für ein deutsches Seemannslied und habe es bei Hans Albers und Co. verortet. Dafür wäre ich wohl kaum ins Kino gegangen. Doch ein Beitrag der Sendung Skala auf WDR 5 hat mich neugierig gemacht. Jetzt weiß ich: La Paloma ist eine baskische Erfindung, vermutlich uraufgeführt auf Cuba in Havana mit dem für diese Karibikinsel typischen Sound. Unsere deutsche Fassung ist nur eine von unzähligen Melodien und Texten.
Der Dokumentarfilm begleitet das Lied um die Welt und lässt die jeweiligen Lokalexperten erzählen. Dies tut er in einer wunderbar unaufgeregten Erzählweise, die ihren Figuren sehr nahe kommt. Ob bei einer Hochzeitsgesellschaft auf Sansibar, bei einer Beerdigung in Rumänien oder zu Demonstrationen der Linken gegen die Konservativen in Mexiko.
Eugenia Léon mit ihrer mexikanischen Fassung hier auf YouTube:
Natürlich muss jeder Kinobesucher damit rechnen, dass er den Ohrwurm in irgendeiner Fassung noch eine Weile hört, wenn er schon längst auf dem Weg nach Hause ist. Doch dabei macht sich vielleicht – wie bei mir – so ein angenehmes Gefühl breit, das irgendwie alles ausdrückt: Abschied und Trennung, Fernweh und Sehnsucht, Geborgenheit und Heimkommen. Ich habe mir gleich am nächsten Tag die CD zum Film geholt.