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Archive for the ‘Kultur’ Category

Ich habe mich selten in einem Dokumentarfilm so schlapp gelacht wie bei diesem. Realsatire aus dem wirklichen Leben. Drei Menschen mit Führerschein gehen nochmal zur Fahrschule, in einer ihnen fremden Kultur. Eine Deutsche in Mumbai, ein US-Amerikaner in Tokio und eine Koreanerin in München. Großartig!

Der US-Amerikaner verzweifelt an der japanischen Regelwut – dagegen kommt einem Deutschland schon fast anarchisch vor. Anarchie dagegen dominiert die Straßen Indiens, doch auch hier gibt es definierte Mittel und Wege, durchzukommen, sich den Verkehr zu erfühlen, wenn man so will. Die Gefühle irritiert werden bei der Koreanerin, durch die direkt-derbe bayerische Art des Fahrlehrers, da ihr ein solcher zwischenmenschlicher Umgang fremd ist. Nicht nur die Fahrschüler, auch die Fahrlehrer leiden und scheinen in ihrer Geduld mit den unverständigen Fahrschülern strapaziert. Dabei haben alle einen Führerschein aus ihrem Heimatland.

Ich habe in dem Film nicht nur viel und herzlich gelacht. Der Film ist auch unglaublich lehrreich. Entlarvend. Entspannend auf die eigene und die fremde Sicht der Dinge. Dieser Film sollte Bestandteil aller Lehrveranstaltungen zum Thema Integration, interkulturelle Zusammenarbeit etc. werden.

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Searching for Sugar Man ist ein Dokumentarfilm, der letzten Sonntag sogar mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Ein amerikanischer Musiker bringt in den 70er Jahren zwei Platten heraus ohne nachhaltigen Erfolg und verschwindet in der Versenkung. Ohne sein Wissen wird er in Südafrika zum Superstar. Ein Musikjournalist macht sich auf die Suche nach den Spuren von Sixto Rodriguez. Gerüchte sagen, er habe auf der Bühne Selbstmord begangen …

Ich habe den Film gesehen und kann sagen: Die Geschichte ist so irre, sowas kann sich keiner ausdenken. Großartiger Film. Für alle, die 70er Jahre Musik und Musik überhaupt mögen, unbedingt sehenswert. Und für Doku-Film-Liebhaber sowieso.

Hier der Trailer:

In Köln läuft er in der Filmpalette. In anderen Städten und anderen Programmkinos bestimmt auch und jetzt, wo er den Oscar hat und wenn ihr dahin geht, vielleicht noch ein bisschen länger.

 

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Hach, ich liebe seine Filme immer wieder. Ken Loach. Diesmal The Angels Share, gestern Original mit Untertiteln gesehen. Einfach großartig.

Hier der englische Trailer:

Und hier der deutsche:

Habe allerdings beim Trailer-gucken festgestellt, dass es mit der Synchronisierung auch inhaltliche Anpassungen gab. Schade. Warum ist mir schleierhaft. Vielleicht weil die deutsche Sprache länger ist als der gleiche Inhalt auf englisch.

Besser also Original mit Untertiteln gucken. Schönen Sonntag!

 

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BuVerfG – klingt nicht sehr schön – wie ein Passwort mit Groß- und Kleinschreibung. Bundesverfassungsgericht – das ist ein sehr langer Name. Hatte es gestern schon gesehen, aber keine Zeit zum Posten. 60 Jahre passen die Bundesverfassungsrichterinnen und -richter darauf auf, dass sich Politiker und Wirtschaftsbosse ans Gesetz halten. Denn das ist ja weltweit beliebt, Regeln aufstellen, die dann nur für die anderen gelten. Danke BuVerfG für deine Arbeit.

Einen tollen Kommentar hatte Christian Bommarius gestern im Kölner Stadtanzeiger. Hier in der Fassung der Frankfurter Rundschau. Und ja, Elvira, in der Berliner Zeitung war er bestimmt auch – alles aus dem Hause Dumont. Ist ja alles effizient heutzutage.

Und da wäre ich bei dem, was ich mir wünsche, vom Geburtstagskind. Wie Bommarius schreibt, machte das BuVerfG 1996 eine folgenschwere Ausnahme beim Hüten des Grundgesetztes und ließ zu, dass die Politik das Grundrecht auf Asyl aushebelte bzw. defacto beseitigte. Es ist also keineswegs sicher, dass uns unsere vom Grundgesetz garantierten Grundrechte erhalten bleiben.

Heute müssen wir aufpassen, dass vor lauter Präventionsstaat, IT-Effizienz und anderen Interessen nicht unser Grundrecht auf informationelle, gesundheitliche und sonstige Selbstbestimmung eliminiert wird. Da werden per elektronisch-zentralisierter Steuerkarte die Recklinghausener zu Atheisten. Die Gesundheitskarte wird schon mal eingeführt, auch wenn außer dem Foto noch nix drauf ist, weil es wahlweise rechtlich und/oder technisch Probleme gibt. Und die grüne NRW-Gesundheitsministerin Steffens möchte vermutlich jeden verknacken, der sich in der Öffentlichkeit mit einer Zigarette blicken lässt., so einen Hass muss sie auf Raucher haben.

Dabei ist doch das Wesen der Demokratie, dass man anderes Leben, Denken und Handeln respektiert, andere Meinungen gelten lässt und aushält. Es kann nicht immer nur nach dem Kopf einzelner gehen, auch dann nicht wenn sie vorher geschickt einen Maulkorb lancieren, weil es ja so ungesund sei. Man könne gerade glauben, das Rauchen einer Zigarette führe nicht nur zum sofortigen Tod des Rauchers sondern  führe auch zu sofortigen nachhaltigen Schäden bei allen Umstehenden.

Hey, es gibt ein Recht auf ungesundes Leben. Auf Zigaretten, Schokolade, Blutwurst, Gummibärchen, Schweinshaxe, Bier und Wein. Es gibt ein Recht auf Skifahren, Fallschirmspringen und Fußballspielen. Und Autofahren, Motorradfahren, In-den-Urlaub-fliegen… – Oh, ich komme vom Thema ab. Aber über die Steffens rege ich mich gerade furchtbar auf. Also zurück zum Geburtstagskind:

Ich wünsche mir ein BuVerfG, das auch weiterhin – heute gemeinsam mit den europäischen Institutionen wie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – Politik und Wirtschaft mächtig auf die Finger klopft und sie davon abhält, das Grundgesetz mit Füßen zu treten.

Ich weiß, defacto sind viele von uns schon gläsern. Aber wer aufpasst, wo er seine Daten hinterlässt, hat zumindest noch einen Rest Intimsphäre. Und noch gibt es rechtlichen Schutz, wenn Staat und Wirtschaft übergriffig werden.

Wir sollten aufpassen, auf unsere Demokratie und unsere Rechte. Wir haben das Recht auf eine Intimsphäre, Terror hin oder her – und auch das Recht auf ungesundes Leben – kein Mensch wird vom Nichtschokoladeessen oder Nichtrauchen unsterblich. Auch ein durchtrainiertes Idealgewicht schützt letztlich nicht vor dem Tod.

Ach ja, gestern Abend hatte ich Gelegenheit, einen ganz frischen Dokumentarfilm zum arabischen Frühling zu sehen, auch so ein Demokratiegeburtstag. „Tahrir 2011“ – drei ägyptische Regisseure (zwei Männer, eine Frau) zeigen ihren Blick auf die Ereignisse im Februrar dieses Jahres in Kairo. Der Film ist gegliedert in „The Good, the Bad, the Politician“ – Teil 1 widmet sich den Demonstranten, Teil 2 den Polizisten und in Teil 3 wird mit Humor und Intelligenz erzählt, wie man in zehn Schritten Diktator wird. Diese Impulse finden wir auch hierzulande.

Nur ein Rechtsstaat, kein Präventionsstaat hält die Mächtigen davon ab, ihre Macht zu zementieren.

Zum Film: Interessantes Zeitdokument, authentisch, nah, Innensicht dreier ägyptischer Regisseure, quasi als teilnehmende Beobachter. Allerdings für ambitionierte Kinogänger. Wackelbilder von Handykameras und arabisch mit englichen Untertiteln ist auch anstrengend. Trotzdem: Absolut sehenswert. Beim Leipziger Dokumentarfilmfestival jetzt im Oktober hat er Deutschlandpremiere.

Literaturtipp  zu diesem Post: Juli Zeh, Corpus Delicti, Ein Prozess – ein Roman aus der Zukunft (unserer Gesellschaft?)

So, jetzt reicht es aber auch. Ist ganz schön lang geworden. Vielleicht auch etwas durcheinander. Aber das musste jetzt mal alles raus. Wünsche euch einen schönen Tag!

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… und ganz viel Blau, schöner Musik, tollen Bildern. Ein finnisches Märchen in Frankreich. Das ist der neue Aki Kaurismäki-Film „Le Havre“. Meine Meinung: Unbedingt ansehen!

Mayarosa hat Le Havre gestern OmU gesehen. Auch für Lesefaule gut zu verstehen. Ist ein Kaurismäki-Film. Wird nicht viel geredet. Habe bei der Trailersuche die deutsche Synchronstimme gehört, nee, nee, da gefällt mir das Original besser.

Hier ein Eindruck.

Die deutsche Presse hat Kaurismäki die gleiche Frage gestellt, wie meine Freundin nach dem Kino gestern auch: Warum hat der Finne ausgerechnet in Frankreich/Le Havre gedreht. Nun ja, Kaurismäkis Antwort: „Das hätte natürlich auch woanders spielen können, in Spanien oder generell im Mittelmeerraum. Nur nicht in Finnland, weil niemand so verzweifelt ist, dorthin zu flüchten.“

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Zum Tanz am See habe ich es gestern nicht mehr geschafft. Wir kamen nach Mitternacht aus dem Kino und waren noch etwas benommen von dem Film. Also tranken wir unsere Absacker um die Ecke. Und dann musste ich schlafen gehen.

Den Film möchte ich jedem ans Herz legen, der Programmkino mag: Nader und Simin – eine Trennung.

Wir haben ihn in der Filmpalette im Original mit Untertiteln gesehen. Also auf Farsi, deutsch untertitelt. Das war gut so. Das Wesentliche der Geschichte erzählt sich in den Bildern, der Mimik und Gestik der Schauspieler, die Untertitel sind ja auch noch da. Und die Orignalsprache bringt die Emotionen und die Kultur einfach besser rüber. Wir hatten den Eindruck, dass man in Farsi viel mehr Worte braucht, etwas zu sagen, als im Deutschen. Wir Deutschen brauchen ja auch deutlich länger zum Beispiel als die Briten (Deutsche Texte sollen ca. ein Drittel länger sein als die englische Übersetzung dazu).

Worum geht es?
Der Film beginnt vor dem Scheidungsrichter. Nader und Simin haben ein Ausreisevisum, das in vierzig Tagen abläuft. Sie will gehen. Er will bleiben, weil er seine an Alzheimer erkrankten Vater nicht alleine lassen will. Beide haben zusammen eine elfjährige Tochter. Die Scheidung wird abgelehnt. Die Frau zieht trotzdem aus und zu ihren Eltern. Eine Pflegekraft wird eingestellt, um den kranken Vater zu pflegen. Diese kommt in einen inneren Konflikt, als der alte Mann eingenässt hat. Einerseits will sie helfen, andererseits befürchtet sie, es könne Sünde sein. Ich will jetzt gar nicht so viel weitererzählen, nur so viel:

Der Film erzählt uns eine Familiengeschichte in einer für uns völlig fremden Kultur, einer die wir nur aus Nachrichtenzerrbildern kennen. Und damit bereichert er unsere Idee von dieser fremden iranischen/muslimischen Gesellschaft, zeigt uns neue, andere Bilder, Bilder von Menschen und ihren Geschichten. Spielte der Film in Deutschland, wäre der kulturelle Rahmen ein anderer. Die Gefühle, die Ängste, Sorgen, Probleme und die Reaktionen der Menschen darauf, die wären verdammt ähnlich. Großartiger Film.

Hier der Trailer in OV – wir hatten natürlich deutsche UT:

Und hier noch ein deutscher Trailer:

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Den Kinofilm „Das Lied in mir“ habe ich mir gestern angesehen. Hat mir sehr gut gefallen. Tiefgründig, traurig, lustig, tolle Bilder von Buenos Aires. Klasse schauspielerische Leistung. Tolle Kamera. Hach …. Und mayarosa wird mit zunehmendem Alter immer sentimentaler. Hatte tatsächlich zwei drei Mal Wasser in den Augen stehen. Das kam früher nie vor im Kino/bei Filmen oder nur in ganz ganz seltenen Ausnahmen.

Der Filmtitel „Das Lied in mir“ löst bei mir noch einen anderen Gedanken aus. Tragen wir Lieder in uns? Lieder, die uns tiefer und intensiver berühren. Nicht, weil sie uns an eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Menschen erinnern, sondern weil sie irgendwei zu einem gehören, wie eine Lebensmelodie. Ich habe so ein Lied. Immer wenn es höre, berührt es mich ganz tief. Da hatte ich schon oft Wasser in den Augen stehen. Aber bei Musik konnte ich schon immer prima heulen.

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