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Posts Tagged ‘Integration’

Liebe CSU,

Ausländer sollen in der Öffentlichkeit Deutsch reden und zuhause gefälligst auch, fordern Sie in Ihrem Leitantrag… oder Leidandrag? (als Frrängin machd es eh keinen Underschied).

Also, was genau meinen Sie? Oder soll ich fragen, wen? Ich bin gebürtige Frrängin (Deutsch: Fränkin). Das, also Frrängisch, ist meine Muttersprache. Meine dritte Fremdsprache ist Deutsch. Meine erste war Englisch, meine zweite Französisch. Meine vierte Spanisch. Sie haben recht, Deutsch zu sprechen ist wichtig, wenn man außerhalb seines direkten Sprachumfelds verstanden werden möchte. Deswegen habe ich ja Hochdeutsch gelernt, so dass mich auch Menschen in Hamburg, Köln oder Leipzig verstehen. In den 26 Jahren meines Lebens in Ihrem schönen Bundesland und auch wenn ich später zu Besuch da war, habe ich selten Deutsch gehört, von Coburg bis Garmisch, von Passau bis Neu-Ulm oder Würzburg, von Augsburg bis Hof reden die Menschen viele Sprachen, darunter Ober- und Niederbayerisch, Schwäbisch, Oberpfälzisch, Mitttel-, Ober- und Unterfränkisch. Gerade außerhalb der größeren Siedlungen ist es für deutschsprechende Menschen etwa aus anderen Bundesländern unseres schönen Deutschlands oder Deutschsprechende mit Migrationshintergrund mitunter schwierig, zu verstehen, was in der Öffentlichkeit so gesprochen wird. Ja selbst ich brauche mitunter einen Dolmetascher, wenn ich mich etwa in Altbayern bewege. Vielleicht geben Sie Deutschkurse für Einheimische? Wär doch mal ein Anfang für eine bessere Integration.

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Manchmal gibt es so Tage, da springt einen ein Thema von verschiedenen Seiten an. In einer Buchhandlung heute hatte ich ein Buch in der Hand, in dem eine deutsche Frau ihr Drama mit ihrem türkischen Ehemann schildert, mit all den bekannten Katastrophen, wie Schlägen, Drohungen, Zwangsheirat und so.

Ich dachte mir: Dieses Buch kaufen bestimmt die Menschen, die ihre negative Sicht gegenüber dem Islam bestätigt haben wollen. Und ein anderes Buch, in dem unterschiedliche Menschen mit Migrationshintergrund von ihren Erfahrungen erzählen, das kaufen wohl die, die wiederum ihre positive Sicht bestätigt haben wollen.

Nachmittags hatte Herr P. Termin bei der Logopädin und da lag eine Ausgabe von „Psychologie heute“ rum. Eines der Themen auf dem Titel „Integration: Der neue türkische Mann“. In dem Artikel wurden diverse Forschungsarbeiten zitiert, die nahelegen, dass türkischstämmige Menschen in Deutschland in ganz unterschiedlichen Milieus leben, dass insbesondere die Integrierten eben gar nicht auffallen, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft mit dem gleichen Sozialmilieu näher sind, als etwa zwei Deutschtürken aus unterschiedlichen Sozialmilieus.

Dann Zitat: „Türkischen Männern falle es oft schwer, mit den eigenen Frauen offen zu reden – und erst recht mit anderen türkischen Männern. Würden die Probleme zu drückend, gingen die religiösen unter den Männern in die Moschee und hofften, dass Gott die Probleme löse, die anderen gingen in die Kneipe, ins Teehaus und suchten dort Ablenkung.“

Da musste ich schmunzeln. Wo ist jetzt bitte der Unterschied zur deutschen Gesellschaft? Fällt es deutschen Männern leichter, mit ihren Frauen zu reden? Gut, sie gehen nicht in die Moschee, wohl auch eher selten in die Kirche und nicht ins Teehaus. Die verschwinden hinter dem Computer, vor dem Fernseher oder in der Kneipe. So mancher soll von letzterer auch schon mal sturzbetrunken zurückkommen und gar nicht nett mit seiner Familie umspringen.

Manchmal versuchen wir einfache Erklärungen für Probleme zu finden. Wir suchen die Ursache in offensichtlichen Merkmalen: weil jemand ein Mann ist, eine Frau, ein Türke, Russe oder Deutscher, weil jemand Anzug trägt oder bunte Haare und Springerstiefel. Vielleicht haben wir mit diesem Merkmal bestimmte Erfahrungen gemacht oder – das ist viel häufiger – wir haben diese Erfahrungen berichtet bekommen, im Fernsehen, in der Zeitung, im Internet, manchmal auch von Bekannten. Unsere Wirklichkeit stützt sich nur noch zu einem kleinen Teil auf persönlichen Erfahrungen. Aber wir glauben, was wir (im Fernsehen) sehen. Unsere Wirklichkeit ist eine Konstruktion, eine Perspektive, ein kleiner Ausschnit des Möglichen. Und dennoch sind wir überzeugt, drücken ganzen Gruppen einen Stempel auf.

Das spiegelt sich – gerade beim Thema Islam – auch in den Blogs wider. Da gibt es die, die den Islam auf die Scharia reduzieren und ihn rundheraus ablehnen. Und es gibt die, die mit Verve über die „rechten Socken“ schimpfen. Ich weiß selbst nicht sehr viel über den Islam.

Ich weiß, dass Mohammed lange nach Jesus und Buddha wirkte, mehr oder weniger bei ihnen „geguttert“ hat und weil er sich in einer sehr kriegerischen Umgebung mit vielen Stammesfehden bewegte, ist so manches härter, brutaler formuliert als bei Buddha oder Jesus. Diese Brutalität gibt es allerdings auch im Alten Testament.

Ich weiß, dass es im Islam sehr viele und sehr unterschiedliche Strömungen gibt, islamistische ebenso wie heuristische, antiquierte und moderne. Es gibt Schiiten, Wahabiten, Sunniten, Aleviten, wobei letzere von den ersten dreien nicht als „echte“ Moslems anerkannt werden. Es gibt sehr viele unterschiedliche Interpretationen, wie der Islam (und die Scharia) nun auszulegen sind.

Und ich weiß, dass die Bedeutung von Religion, die Meinung zum Islam, die Meinung zu Deutschland, zu den Deutschen, zu den Deutschtürken, bei den Menschen, die kulturell in den Islam geboren werden, genauso vielfältig ist, wie bei denen, die wie ich, kulturell in das Christentum geboren wurden.

Wir sollten Menschen als Menschen sehen und mit ihnen als Menschen reden, neugierig, offen, herzlich. Besinnen wir uns auf unsere abendländische Kultur. Wer mit Jesus etwas anfangen kann, mag die Bergpredigt als Grundlage nehmen. Alle anderen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

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Nun ist es ja keineswegs so, dass wir in Köln nicht die gleichen Integrationsprobleme hätten, wie alle anderen deutschen Großstädte auch. Es gibt soziale Brennpunkte, Vorurteile und all den Kladderatasch wie überall. Und dennoch ist irgendetwas anders in Köln. Die Volksseele dieser Stadt tickt anders als anderswo.

In Köln gehen Integration und Assimilation fließend ineinander über. Zumindest im Karneval. Biste dabei. Biste dabei. Egal ob kölsches Blut in deinen Adern fließt oder anatolisches. Sogar Westfalen und Sauerländer sind hier herzlich willkommen. :-))) Ich bin ja nun selbst ene Imi, wie die Zugereisten hier heißen. Aber in Köln ist das kein Schimpfwort, wie etwa in München „Zuezoagna“. Überhaupt habe ich hier noch nie gehört, dies oder jenes würde ich nicht verstehen, weil ich hier nicht geboren bin.

Natürlich geht auch in Köln nix ohne Bedingungen: Die Voraussetzung dazu zu gehören ist mitzumachen. Köln umarmt alle, die sich auf die Selbstbesoffenheit dieser Stadt einlassen. Als ich vor 13, 14 Jahren hierher gezogen bin, habe ich mich gewundert, warum es zwar irre viele Szenen, aber irgendwie wenig Subkultur in Köln gibt. Irgendwann habe ich verstanden: Köln macht aus allem eine Party und irgendwann wird Karneval draus. Ob Popkomm/Ringfest, CSD oder Köln-Marathon. Neulich erst hat sich der Rektor der Sporthochschule in Köln, Walter Tokarski, beschwert, die Kölner sollten nicht alles karnevalisieren. Leider konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden, woher dieser Mann kommt 😉

Wobei es auf der anderen Seite auch in Köln Karnevalsverweigerer gibt, darunter etliche gebürtige Kölner. Auch das ist für die Stadtseele kein Problem. Läve und läve losse. Solange man sich gegenseitig nicht die eigene Sichtweise der Dinge aufzwingen will und jeder jeden so sein lässt, wie er ist, ist alles gut.

Und darum liebe ich Köln. Alaaf!

Hier mein absoluter Favorit unter den Karnevalsliedern. Da kriegt dat mayarosa schonmal ein bisschen Wasser in die Augen:

Der Text zum Nachlesen und langsam übersetzen 😉

Die Integration erfuhr auch die Stunksitzung. Gegründet Anfang der 80er Jahre wurde sie als  Parodie auf den Karneval, als Anti-Karnevals-Veranstaltung. Heute gehört sie dazu und ist fester Bestandtteil des Kölner Karnevals, genauso der Geisterzug am Karnevalssamstag. Hier, die beste Nummer aus der Stunksitzung 2010. In Erinnerung an den Einsturz des Stadtarchivs, eine Geschichte der Stadt Köln, bei der der ganze Saal (E-Werk) spürbar ergriffen war. Ich auch. Zum Heulen schön.

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Seehofer, Mißfelder und Co. überholen mal wieder ganz rechts außen … Merkel springt hinterher … Ich finde dieses Debattenniveau, ehrlich gesagt, unterirdisch. Es widert mich an, wie respektlos, unsachlich und unseriös diese Damen und Herren über Menschen sprechen.

Die Union stellt die Regierung gemeinsam mit der FDP. Sie hat also die Macht, Dinge positiv zu verändern, wenn sie will. Tut sie es? Nein. Sie labert und lästert auf dem Rücken derer, die sich nicht wehren können, schließlich sollen bald wieder Wahlen gewonnen werden. Und man möchte halt die Stimmen derer, die tendenziell die NPD oder DVU oder die Pro-Dingsda-Partei wählen würden

Was könnte die Union für die Integration und gegen die tatsächlich bestehenden Probleme tun?

Wenn ich möchte, dass Ausländer schnell deutsch lernen, kann ich das politisch fördern: Mit Geld für Deutschkurse und verpflichtendem Deutschunterricht, mit Sprachstandserhebungen bei 4-jährigen und anschließender Förderung, mit kostenlosen Kindergartenplätzen und zumindest einem verpflichtendem Vorschuljahr, mit Deutschförderung in den Schulen etc. Es ist doch verlogen, mangelnde Deutschkenntnisse zu beklagen, aber nichts zu tun, damit es sich ändert.

Wenn ich möchte, dass schlecht ausgebildete Menchen in Deutschland besser gebildet und ausgebildet sind, um die Nachfrage nach Fachkräften zu befriedigen, dann muss ich Geld in Bildung stecken. Hier liegt Deutschland nach OECD-Statistiken beschämend weit hinten.

Und wenn ich möchte, dass Kinder aus bildungsfernen Haushalten eine Chance bekommen, dann muss ich sie ihnen auch geben und nicht von vorneherein ausgrenzen und stigmatisieren. Dazu gehört auch Aufklärung, Toleranz, Demokratieerziehung der Mehrheitsgesellschaft.

Tatsächlich üben sich die Damen und Herren aus der Union aber in Hetze, Stigmatisierung und einem fragwürdigen Demokratie- und Menschenrechtsverständnis. Das C. im Parteinamen und das „christliche Menschenbild“, das sie bemühen, beschämen sie mit ihren Äußerungen. Mit einem christlichen Menschenbild, zu dessen wichtigsten Fundamenten die Bergpredigt zählt, gehören diese Äußerungen sicher nicht.

Ich selbst entstamme einem neudeutsch als bildungsfern bezeichneten Elternhaus. Früher sagte man dazu Arbeiterkind. Letztlich habe ich profitiert von den Folgen der Politik Brandts und Schmidts, die Kindern wie mir, die Möglichkeit gab, Abitur zu machen und zu studieren, indem sie eine bessere Schulbildung für die Eltern finanzierbar machte.

Seehofer will wohl auch gar nicht, dass mehr Menschen mit Migrationshintergrund gut deutsch sprechen, sozial integriert und beruflich erfolgreich sind. Ihm würden dann ja die Feindbilder fehlen, auf denen er rumtrampeln und mit denen er „die Hoheit über den deutschen Stammtischen“ (Mißfelder) gewinnen will.

Sage was du tust. Tue was du sagst. Alles andere ist verlogen.

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Das kann ich mir heute morgen nicht verkneifen. In den Leserbriefen des KStA schreibt ein Herr Müller aus Köln:
„Sarrazin ist ein französischer Familienname, der etymologisch auf die ‚Sarazenen‘ zurückzuführen ist. Die Sarazenen waren ein Volksstamm, der seine Wurzeln im Nordwesten der arabischen Halbinsel hatte. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Name ‚Sarazenen‘ als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab 700 nach Christus in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet.“

Sarrazin ein Konvertit: Daher die radikale Sichtweise!

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Folgendes Zitat von Aldous Huxley finde ich passend für Herrn Sarrazin selbst und das ganze Gerede über sein unseliges Buch und für viele andere Gelegenheiten:

„So elegant und einprägsam Kürze auch sein mag, kann sie naturgemäß nie allen Gegebenheiten eines vielfältigen Sachverhalts gerecht werden. Einen solchen vermag man nur im Weglassen und Vereinfachen kurz zu fassen. Weglassungen und Vereinfachungen helfen uns, zu verstehen – aber in vielen Fällen das Falsche; denn was wir erfassen, sind vielleicht nur die säuberlich formulierten Vorstellungen des Vereinfachers, nicht die ganze, vielverzweigte Wirklichkeit, der diese Vorstellungen so willkürlich entnommen sind. (…) Die Verkürzung ist ein notwendiges Übel, und Aufgabe des „Kürzenden“ ist es, so gut er kann, mit einer Arbeit fertig zu werden (…) Er muss lernen, sich auf das Wesentliche eines Sachverhalts zu konzentrieren, ohne zu viele die Wirklichkeit näher bestimmende Nebenumstände unbeachtet zu lassen. Auf diese Weise gelingt es ihm vielleicht, zwar nicht die volle Wahrheit (…), aber beträchtlich mehr zu sagen als die gefährlichen Viertel- und Halbwahrheiten, welche immer die gängige Münze des Denkens waren.“
aus: Aldous Huxley, Wiedersehen mit der schönen neuen Welt, 1987;  Originalausgabe 1959

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Heute Morgen im WDR 5 äußerte sich Claus Leggewie, Direktor des kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, zum Auftritt von Herrn S. bei Beckmann und zur Qualität des Inhalts seines Buches, ein hörenswertes Interview.

Zwei Dinge möchte ich hervorheben:
1. Leggewie ist sich sicher, wäre es nicht Herr S. sondern ein unbekannter Autor, er hätte weder Verlag noch Lektor gefunden. Denn die Qualität der Inhalte sei gering.
2. Leggewie bezeichnet Herrn S. als „Amateur-Soziologe(n), der eine absurde Kulturkreis- und Degenerationstheorie uns auftischt. Die ist ungefähr hundert Jahre alt. Und die ist längst in den wissenschaftlichen Kreisen widerlegt. (…) Wir haben es hier zu tun mit dem Aufbau eines nationalpopulistischen Syndroms (…) und das halte ich für ein Spiel mit dem Feuer.“

Leggewie: „Hier wird nicht die These begutachtet und dem Publikum vorgestellt, sondern hier wird ganz klar auf Krawall gebürstet. Und dann ergibt sich das, was Niklas Luhman mal die Anschlusskommunikation genannt hat.“ Das bedeutet: viel Platz und Sendezeit in den Medien; genau das, was Herr S., sein Verlag und die beauftragte PR-Agentur wollten.

Das PR-Konzept: Auflage machen nach den Regeln der Publicity (Grunig/Hunt): any news are good news.
Wie das geht? Emotion! Emotion! Und nochmals Emotion! Schockieren, berühren, aufrühren, …
Moral? Werte? Verantwortung? Wahrheit? – Egal, das spielt in diesem Konzept keine Rolle. (mehr …)

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