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Posts Tagged ‘Islam’

Mein Leben ist gerade so pickepacke voll, dass mein Bloghäuschen leider etwas in den Hintergrund geraten ist. Aber heute las ich etwas in der Zeitung, das ich mit euch teilen möchte.

In einer Kolumne im KStA macht sich Peter Manshausen, 17 Jahre, Redaktionsmitglied der Jugendseite der Zeitung, Gedanken über das Unterrichtsfach Religion:

„Religionsunterricht sollte nicht abgeschafft werden. Denn die jüdisch-christliche Überlieferung gehört zur Allgemeinbildung, die Schulen vermitteln müssen. Dazu gehören aber auch Islam, asiatische Religionen, Naturreligionen und moderne Sekten. Kinder nach ihrer Religionszugehörigkeit zu trennen, kann nicht im Sinne der Integration sein. Der Religionsunterricht sollte informieren über die Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen der Erde.“

Wie recht er hat. Bei uns im Viertel steht eine schöne, große katholische Kirche. Hohe Räume, Mystik, schönes Licht. Ein Tempel eben. Ich selbst bin katholisch geboren, aber längst konfessionslos. Dennoch genieße ich manchmal die mystische Stimmung in diesem Gebäude und meditiere ein bisschen vor mich hin. Und dann denke ich mir: Kostet verdammt viel Geld, diese Kirche zu unterhalten. Da ich sie gelegentlich nutze, sollte ich meinen Beitrag leisten. Klar werfe ich ein paar Münzen für angezündete Kerzen in die dafür vorgesehene Sparbox. Aber das meine ich nicht.

Wie schön wäre es, wenn dieser Tempel allen Bewohnern unseres Viertels offen stünde und alle gemeinsam etwas daran tun, das Gebäude zu unterhalten. Wie wäre es, wenn Buddhisten, Christen aller Konfessionen, Muslime ebenfalls aller Konfessionen, Juden, Hinduisten, alle mit Privatreligionen und wer sonst noch möchte hier zur Einkehr finden kann und in seiner Façon beten oder meditieren kann. Wie wäre es, wenn eine Ecke mit Gebetsteppichen ausgelegt wäre, woanders Jesus am Kreuz hängt oder Maria ihr Baby wiegt und wieder woanders Buddha freundlich in die Welt lächelt. Analog für andere Glaubensgemeinschaften. Ich fände das großartig und Integration at it’s best. I have a dream. Und ich weiß, wie weit er von der Wirklichkeit weg ist. Aber träumen wird man ja noch dürfen …

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Wie war das doch gleich in der Demokratie: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. (…) Eine Zensur findet nicht statt.“ (Art. 5 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland)

Aber was passiert hier gerade in diesem Land? Da wollen CDU/CSU, SPD und FDP die Redefreiheit im Bundestag beschränken. Wenn ein Abgeordneter eine andere Meinung vertritt als seine Fraktion, dann soll ihm faktisch das Rederecht im Parlament entzogen werden. Nein, so steht es freilich nicht im Gesetzesentwurf. Aber das ist die faktische Konsequenz. Und es  ist beängstigend. In welcher Gesellschaft leben wir?

Lasst sie reden! Das ist Demokratie. Möcht ich ihnen zurufen.

Und bin gleichzeitig irritiert, dass die Abgeordneten selbst nicht auf die Barrikaden gehen, wenn ihnen derart in ihr Rederecht eingegriffen werden soll. Sind sie alle schon so gleichgeschaltet am ernährenden Tropf der eigenen Partei? Wo ist ihr Stolz als gewählter Abgeordneter eines Wahlkreises?

Ebenso befremdlich finde ich die Aufregung um die Koranverteiler in den Fußgängerzonen. Dort dürfen doch auch Linke, Rechte oder die Zeugen Jehovas ihre Meinung/Sichtweise verbreiten. Warum also nicht eine Gruppe Muslime, die den Koran verteilt. Und ja, es dürfen sich an diesen Stellen auch Menschen kritisch dazu äußern, solange sie die Freiheit der anderen nicht unterbinden wollen.

Was spricht dagegen, selbst einen Blick in den Koran zu werfen, sich eine eigene Meinung zu bilden und fortan in Debatten zum Thema fundierter mitdiskutieren zu können? Das wäre doch gerade gut, weil es der oft von Angst und Vorurteilen erfüllten Debatte ein bisschen mehr Sachlichkeit beigeben könnte.

Ob das nun radikale oder gemäßigte Muslime sind, die den Koran verteilen, ist doch zweitrangig. Auch die Bibel wird wohl kaum von Leuten verteilt, die nur Weihnachten eine Kirche von innen sehen. Die wären hierzu gar nicht motiviert. Logisch.

Auch die Zeugen Jehovas, Mormonen oder Amish People haben eine recht eigenwillige Auslegung der Bibel – man könnte auch sagen, eine radikale. Das ändert aber nichts an der Bibel und ihrer Wertigkeit – die man wie alle Uraltschriften und Übersetzungen so oder so interpretieren kann.

Ich würde da gerne mal drin lesen, in so einem Koran. Die Lektüre des Neuen Testaments (da war ich ca. 13 oder 14) hat bei mir im Übrigen dazu geführt, dass ich mich von der Katholischen Kirche entfernt habe und letztlich aus Überzeugung ausgetreten bin – das hatte noch nicht mal was mit Unglauben zu tun. Im Gegenteil. Die Lehre Jesu finde ich ja gut. Aber nicht, was die Katholische Kirche daraus macht.

Ich traue den Menschen durchaus zu, sich auch in Bezug auf den Koran eine eigene Meinung zu bilden.

Ein Zitat an dieser Stelle: „Ich mag verdammen, was du sagst. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“ Voltaire

Das gilt auch für Frau Schröder und ihre CSU-Freunde mit dem Betreuungsgeld. Da frage ich mich ja schon manchmal: Wann stoppt einer diese Frau? Aber in unserer Demokratie hat sie nun mal das Recht für ihre (rückwärtsgwandte) Frauen-/Familienpolitik zu streiten. Und ihre Gegner – auch die innerparteilichen – haben das Recht, ihr die Meinung zu geigen.

Lasst uns also reden. Meinungen und Argumente austauschen. Zuhören und Perspektiven wechseln. Würde das gelingen, dann dauern Entscheidungen vielleicht was länger, aber bin sicher, sie sind nachhaltiger und besser.

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Manchmal gibt es so Tage, da springt einen ein Thema von verschiedenen Seiten an. In einer Buchhandlung heute hatte ich ein Buch in der Hand, in dem eine deutsche Frau ihr Drama mit ihrem türkischen Ehemann schildert, mit all den bekannten Katastrophen, wie Schlägen, Drohungen, Zwangsheirat und so.

Ich dachte mir: Dieses Buch kaufen bestimmt die Menschen, die ihre negative Sicht gegenüber dem Islam bestätigt haben wollen. Und ein anderes Buch, in dem unterschiedliche Menschen mit Migrationshintergrund von ihren Erfahrungen erzählen, das kaufen wohl die, die wiederum ihre positive Sicht bestätigt haben wollen.

Nachmittags hatte Herr P. Termin bei der Logopädin und da lag eine Ausgabe von „Psychologie heute“ rum. Eines der Themen auf dem Titel „Integration: Der neue türkische Mann“. In dem Artikel wurden diverse Forschungsarbeiten zitiert, die nahelegen, dass türkischstämmige Menschen in Deutschland in ganz unterschiedlichen Milieus leben, dass insbesondere die Integrierten eben gar nicht auffallen, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft mit dem gleichen Sozialmilieu näher sind, als etwa zwei Deutschtürken aus unterschiedlichen Sozialmilieus.

Dann Zitat: „Türkischen Männern falle es oft schwer, mit den eigenen Frauen offen zu reden – und erst recht mit anderen türkischen Männern. Würden die Probleme zu drückend, gingen die religiösen unter den Männern in die Moschee und hofften, dass Gott die Probleme löse, die anderen gingen in die Kneipe, ins Teehaus und suchten dort Ablenkung.“

Da musste ich schmunzeln. Wo ist jetzt bitte der Unterschied zur deutschen Gesellschaft? Fällt es deutschen Männern leichter, mit ihren Frauen zu reden? Gut, sie gehen nicht in die Moschee, wohl auch eher selten in die Kirche und nicht ins Teehaus. Die verschwinden hinter dem Computer, vor dem Fernseher oder in der Kneipe. So mancher soll von letzterer auch schon mal sturzbetrunken zurückkommen und gar nicht nett mit seiner Familie umspringen.

Manchmal versuchen wir einfache Erklärungen für Probleme zu finden. Wir suchen die Ursache in offensichtlichen Merkmalen: weil jemand ein Mann ist, eine Frau, ein Türke, Russe oder Deutscher, weil jemand Anzug trägt oder bunte Haare und Springerstiefel. Vielleicht haben wir mit diesem Merkmal bestimmte Erfahrungen gemacht oder – das ist viel häufiger – wir haben diese Erfahrungen berichtet bekommen, im Fernsehen, in der Zeitung, im Internet, manchmal auch von Bekannten. Unsere Wirklichkeit stützt sich nur noch zu einem kleinen Teil auf persönlichen Erfahrungen. Aber wir glauben, was wir (im Fernsehen) sehen. Unsere Wirklichkeit ist eine Konstruktion, eine Perspektive, ein kleiner Ausschnit des Möglichen. Und dennoch sind wir überzeugt, drücken ganzen Gruppen einen Stempel auf.

Das spiegelt sich – gerade beim Thema Islam – auch in den Blogs wider. Da gibt es die, die den Islam auf die Scharia reduzieren und ihn rundheraus ablehnen. Und es gibt die, die mit Verve über die „rechten Socken“ schimpfen. Ich weiß selbst nicht sehr viel über den Islam.

Ich weiß, dass Mohammed lange nach Jesus und Buddha wirkte, mehr oder weniger bei ihnen „geguttert“ hat und weil er sich in einer sehr kriegerischen Umgebung mit vielen Stammesfehden bewegte, ist so manches härter, brutaler formuliert als bei Buddha oder Jesus. Diese Brutalität gibt es allerdings auch im Alten Testament.

Ich weiß, dass es im Islam sehr viele und sehr unterschiedliche Strömungen gibt, islamistische ebenso wie heuristische, antiquierte und moderne. Es gibt Schiiten, Wahabiten, Sunniten, Aleviten, wobei letzere von den ersten dreien nicht als „echte“ Moslems anerkannt werden. Es gibt sehr viele unterschiedliche Interpretationen, wie der Islam (und die Scharia) nun auszulegen sind.

Und ich weiß, dass die Bedeutung von Religion, die Meinung zum Islam, die Meinung zu Deutschland, zu den Deutschen, zu den Deutschtürken, bei den Menschen, die kulturell in den Islam geboren werden, genauso vielfältig ist, wie bei denen, die wie ich, kulturell in das Christentum geboren wurden.

Wir sollten Menschen als Menschen sehen und mit ihnen als Menschen reden, neugierig, offen, herzlich. Besinnen wir uns auf unsere abendländische Kultur. Wer mit Jesus etwas anfangen kann, mag die Bergpredigt als Grundlage nehmen. Alle anderen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

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„Dennoch kann ich die Logik nicht akzeptieren, dass wir Diktatoren benötigen, um diese Menschen in Schach zu halten. Wir benötigen demokratische Debatten, um die Vorstellungen der Führer der Muslimbrüder zu verändern. Wir sollten mehr den Menschen vertrauen und ein Denken stoppen, das nicht fern von Rassismus ist. Dass die Araber zur Demokratie unfähig seien, das stimmt einfach nicht. Wir dürfen einfach ein Regime nicht unterstützen, das Menschen tötet, sie foltert und seit 30 Jahren keine transparenten Wahlen mehr hat stattfinden lassen. Das darf man nicht akzeptieren.“ Tariq Ramadan (lehrt Islamwissenschaften und Philosophie in Oxford) im Kölner Stadtanzeiger, 8. Februar 2011.

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„Jede Religion, wenn man sie aufrichtig zu ihr bekennt, führt zum selben Gott, und jede dieser Religionen verdient den gleichen Respekt.“
Paulo Coelho „Statuten des neuen Jahrtausends, Artikel 13″, in  Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“

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Das kann ich mir heute morgen nicht verkneifen. In den Leserbriefen des KStA schreibt ein Herr Müller aus Köln:
„Sarrazin ist ein französischer Familienname, der etymologisch auf die ‚Sarazenen‘ zurückzuführen ist. Die Sarazenen waren ein Volksstamm, der seine Wurzeln im Nordwesten der arabischen Halbinsel hatte. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Name ‚Sarazenen‘ als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab 700 nach Christus in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet.“

Sarrazin ein Konvertit: Daher die radikale Sichtweise!

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Folgendes Zitat von Aldous Huxley finde ich passend für Herrn Sarrazin selbst und das ganze Gerede über sein unseliges Buch und für viele andere Gelegenheiten:

„So elegant und einprägsam Kürze auch sein mag, kann sie naturgemäß nie allen Gegebenheiten eines vielfältigen Sachverhalts gerecht werden. Einen solchen vermag man nur im Weglassen und Vereinfachen kurz zu fassen. Weglassungen und Vereinfachungen helfen uns, zu verstehen – aber in vielen Fällen das Falsche; denn was wir erfassen, sind vielleicht nur die säuberlich formulierten Vorstellungen des Vereinfachers, nicht die ganze, vielverzweigte Wirklichkeit, der diese Vorstellungen so willkürlich entnommen sind. (…) Die Verkürzung ist ein notwendiges Übel, und Aufgabe des „Kürzenden“ ist es, so gut er kann, mit einer Arbeit fertig zu werden (…) Er muss lernen, sich auf das Wesentliche eines Sachverhalts zu konzentrieren, ohne zu viele die Wirklichkeit näher bestimmende Nebenumstände unbeachtet zu lassen. Auf diese Weise gelingt es ihm vielleicht, zwar nicht die volle Wahrheit (…), aber beträchtlich mehr zu sagen als die gefährlichen Viertel- und Halbwahrheiten, welche immer die gängige Münze des Denkens waren.“
aus: Aldous Huxley, Wiedersehen mit der schönen neuen Welt, 1987;  Originalausgabe 1959

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