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Posts Tagged ‘Schufa’

„Ich habe nichts zu verbergen“, das habe ich diese Tage erst wieder gehört als es um das Thema Datenschutz ging.

Mag sein. Kann trotzdem ganz praktische Nachteile für dich haben. Warum es dich betreffen kann, obwohl du sparsam mit deinen Daten umgehst und keinen Schufa-Eintrag hast, erklärt dieser Beitrag. Manchmal reicht es, ein Mann zu sein, eine bestimmte Adresse zu haben oder einen Migrationshintergrund. Diskriminierend? Ja, schon.

Hier die Website zu dem Projekt: http://stry.tv/2013/08/01/st_ry-video-folge-1/

2010 habe ich selbst mal getestet, welche Rückzahlwahrscheinlichkeit mir die bekannten Auskunfteien einräumen: https://mayarosasweblog.wordpress.com/2010/11/21/big-brother-und-die-bonitat/

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Vorratsdatenspeicherung, Nacktscanner, Videoüberwachung, Kontrollen über Kontrollen. Es wird ja immer so getan, als beträfe dies nur Verbrecher und Terroristen, Normalbürger nicht. Das stimmt nicht: Es hat immer alles zwei Seiten. Was zu unserem Schutz vorgebracht wird, wird an anderer Stelle gegen uns gerichtet. Ich finde es erschreckend, welche Daten schon jetzt über uns gesammelt werden. Datenhandel ist ein florierender und lukrativer Geschäftszweig. Und nicht immer legal.

Nach den Berichten über die Verwendung von Kundendaten an der Supermarktkasse (Stern) (und hier Spiegel) habe ich beobachtet, wie das bei mir ist. Komisch: Manchmal werde ich um eine Unterschrift gebeten (preiswert für den Supermarkt, aber Risiko, falls mein Konto nicht gedeckt ist), manchmal um die Eingabe meiner Geheimzahl (teurer für den Supermarkt, aber dafür sicherer, weil Sofortzahlung). Aus Sicht so mancher Juristen verstoßen easycash und andere mit der Verwendung von Kundendaten zur Bonitätseinstufung gegen das Datenschutzgesetz, wie das Blog Internet Law erläutert.

Gesammelte Daten und Interpretationen werden auch ganz legal herangezogen, wenn Sie etwa einen neuen Mietvertrag unterschreiben oder einen Kredit beantragen. Früher war das noch einfach. Früher gab es einen Schufaeintrag, wenn jemand wirklich seine Schulden nicht bezahlt hat. Kein Eintrag. Alles paletti.

Und heute? Heute wird alles mögliche gesammelt und bewertet. Ihre Bonität sinkt schon, weil Sie ein bestimmtes Alter, ein bestimmtes Geschlecht, eine bestimmte Wohnlage oder andere soziodemografischen Merkmale haben. Ebenso sinkt Ihre Bonität, wenn jemand eine Auskunft bei Schufa oder anderen Auskunfteien einholt. Das Fragen kostet also – Bonität oder auf Deutsch Kreditwürdigkeit, Vertrauen in Ihre Zahlungsfähigkeit und Ihren Zahlungswillen!

Die Bonität wird ausgedrückt in einem Scorewert, einem Wahrscheinlichkeitswert. Er soll angeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit Sie Ihre Verbindlichkeiten bezahlen werden. Je nach Ergebnis bekommen Sie dann die Wohnung oder den Kredit zu den Konditionen oder eben nicht. Finanztest hat sich vor kurzem dieses Themas angenommen, mit dem Ergebnis: Nur elf von 89 angefragten Basisscores bei der Schufa waren korrekt.

Mayarosa war neugierig und hat den Selbsttest gemacht.  Am 3. November schickte sie an drei Auskunfteien einen Brief mit der Bitte um die gesetzlich vorgeschrieben kostenlose Selbstauskunft nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz.

Am schnellsten reagierte accumio, die Auskunftei der Telekom. Die Antwort traf am 10. November ein. Sie ermittelte einen Score-Wert der Klasse vier bzw. von 98,97 Prozent Rückzahlwahrscheinlichkeit. Da es keinerlei Negativeinträge über mich gibt, was auch accumio bestätigt, scheint meine Bonität entweder darunter zu leiden, dass ich weiblich bin, 39 Jahre alt und wohne wo ich wohne oder darunter, dass eben keine Informationen vorliegen.

Ein Tag später kam die Post von Creditreform, neben der Schufa die größte Auskunftei. Auch hier wird bestätigt, dass es keine negativen Einträge über mich gibt. Dennoch: Abgesehen davon, dass creditreform meine Adresse nicht richtig (ab)schreiben kann, ermittelt die Auskunftei eine Rückzahlwahrscheinlichkeit von 96,98 Prozent. Angeblich bezieht Creditreform positive und negative Einträge ein. Aber nichts ist aufgelistet. Nada. Dreist, in solcher Ahnungslosigkeit zu urteilen.

Am längsten dauerte die Antwort von der Schufa. Die kam erst am 19. November. Die Schufa berechnet einen Basisscore von immerhin 99,02 Prozent. Die Schufa-Liste enthält als einzige auch Positiveinträge, etwa dass ich über einen Handyvertrag verfüge sowie über eine Kreditkarte. Vollständig sind diese ebenfalls nicht.

Mir geht diese Datensammelwut gegen den Strich. Und langsam macht sie mir auch Angst. Unseriös, intransparent und willkürlich werden angesichts ominöser Daten Urteile über mich gefällt. Und wenn keine Daten über mich vorliegen, hat das auch negative Folgen. Anders kann ich das Ergebnis z.B. von creditreform nicht erklären. Big Brother ist längst da. Und er ist gierig.

An dieser Stelle ein Literaturtipp der Bonner Schriftstellerin Juli Zeh: Corpus Delicti, Ein Prozess. In diesem Roman beschreibt Zeh eine Gesellschaft in der Zukunft. Die Menschen sind sehr gesund und sehr kontrolliert. Demokratie war gestern.

In einer Streitschrift widmet sich Zeh, die außerdem Juristin ist, gemeinsam mit Ilija Trojanow dem Thema, wie Sicherheitswahn und Überwachungsstaat unsere bürgerlichen Rechte abbauen. Titel: „Angriff auf die Freiheit“

Kürzlich war Juli Zeh im Gespräch mit dem WDR 5

Chef-Datenschützer ist umgfallen

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